Ernst
Blum und Alois Streck 11.10.2006
Die Geschichte des
Rheinisch-Odenwälder Vereins für
Insektenkunde, Weinheim/Bergstr.
Vor fast 100 Jahren
trafen sich Insektenfreunde aus
Mannheim erstmals und gründeten einen Verein.
Diese Treffen Gleichgesinnter
erstreckte sich über mehr als vier Jahrzehnte. 1945 erlosch
das Vereinsleben. Kurz
nach dem 2. Weltkrieg wurden diese Zusammenkünfte wieder ins
Leben gerufen und sie
finden bis heute im Rheinisch-Odenwälder Verein für
Insektenkunde in Weinheim
an der Bergstraße statt. Unter den Mitgliedern finden sich
viele, die durch
ihre Beobachtungen in Baden-Württemberg, Hessen und
Rheinland-Pfalz wertvolle
Beiträge zur heimischen Insektenforschung geleistet haben.
Auch im Ausland haben
Mitglieder des Vereins entomologisch gearbeitet und von dort
Belegmaterial mitgebracht.
Diese Aufsammlungen sind größtenteils in den Besitz
von Museen übergegangen oder
werden an diese übergeben werden. Sie stehen somit der
Wissenschaft zur
Verfügung und haben nicht nur wissenschaftlichen Wert, sondern
sie sind auch Kulturgut.
Im Rahmen der in den
Winterhalbjahren regelmäßig
stattfindenden Zusammenkünfte des
Rheinisch-Odenwälder Vereins für
Insektenkunde hat Alois Streck im Dezember 1991 einen Vortrag
über die
Geschichte des Vereins gehalten und dazu ein handschriftliches
Manuskript
erstellt, das hier wenig verändert wiedergegeben wird:
Gegründet
am 7.9.1912 anlässlich einer Versammlung von 7 Herren. Er
erhielt den Namen: “Entomologischer
Verein Mannheim“; sogleich wurde ein provisorischer Vorstand
gewählt; eine
Tellersammlung erbrachte 4.- Mark.
3
Monate später erfolgte die Wahl des 1. Vorstandes und von 2
Beisitzern als
Stellvertreter, Kassier und Schriftführer. Die Sitzungen, die
zunächst einmal,
später zweimal im Monat stattfanden, hatten zuerst als
Hauptthemen natürlich
Fragen, die mit der Vereinsgründung zusammenhingen, wie
Ausarbeitung der
Statuten, Anschaffung von Mitgliedskarten usw.
Als man diese
Punkte hinter sich hatte, fanden entomologische Vorträge
statt. Bei den Sitzungen der ersten 6 Monate waren bis zu 20 Mitglieder
anwesend.
Die
Sitzungen verliefen nicht immer harmonisch; der Sitzungsbericht vom
03.03.1913
sagt z.B. zur Tagesordnung: „Nichts, nur
Zänkereien“. – Ein weiterer Bericht
(5.5.1913) sagt: „Die Versammlung verlief in
gedrückter Stimmung wegen
gegenseitiger Reibereien einzelner Mitglieder“.
Tatsächlich legten bereits im
April-Mai 1913 der 1. Vorstand und ein Stellvertreter ihre
Ämter nieder und
traten aus dem Verein aus. Die Austritte erfolgten schriftlich; die
Mitglieder
erhielten ein besonderes Schreiben (Dat. 7.4.13). Viel Disput gab es
dann in
den folgenden Sitzungen über die Rückgabe der
Mitgliedskarten der ausgetretenen
Mitglieder Da diese sie nicht wieder herausgaben, schuf man Abhilfe,
indem man
die erst vor 5 Monaten ausgegebenen Karten für
ungültig erklärte und gegen neue
austauschte.
Nach
Überwindung dieser Krise ging man an die
Vorbereitung einer öffentlichen Ausstellung mit Kauf- und
Tauschbörse. Dieses
Thema füllte eine ganze Reihe von Sitzungen aus. So gab es in
einer Sitzung
(4.8.1913) eine längere Debatte über die Zulassung
eines Sammlers, eines
früheren Mitglieds, zur Ausstellung im Hinblick auf sein
„seinerzeitiges
flegelhaftes Benehmen“. Da es einigen Mitgliedern an
Kästen für die Ausstellung
fehlte, schaffte der Verein welche an und verkaufte sie an die
Mitglieder gegen
eine Anzahlung von 1.- M. und wöchentlichen Raten von 25
Pfennigen.
Die
Ausstellung über deren Verlauf man zufrieden
war ging dann tatsächlich im Oktober 1913 in den
Kaiser-Sälen in Mannheim
vonstatten.

Tagesausflüge
fanden damals noch nicht statt. Die abendlichen Versammlungen dauerten
in der
Regel von 21.00 – 23:00 h. Für Fachvorträge
blieb offenbar wenig Zeit. Nachdem die
Ausstellung organisiert war, ging es an die Vorbereitung der
Weihnachtsfeier.
Einmal wurde eine Celerio-euphorbiae-Raupe mit 2 Hörnern
gezeigt. In einer der
Sitzungen wurde beschlossen, eine Schwarze Liste anzulegen, worin
diejenigen
Händler und Züchter eingetragen werden sollten, durch
welche Mitglieder beim
Bezug von Material Schaden erlitten hatten. Ein andermal erging ein
Beschluss,
dass von nun an
die Worte
„Sammelfreund“
und „Vereinsabend“ gebraucht werden sollen. Da der
Besuch der Versammlungen im
Laufe des Jahres 1913 immer spärlicher wurde (9-11 Personen
gegenüber anfangs
20), beschloss man, die einzelnen Mitglieder per Postkarte einzuladen.
Zu
Weihnachten 1913 stieg eine Weihnachtsfeier mit Verlosung von Gaben,
die vom
Verein angeschafft worden waren, sowie mit musikalischen und
humoristischen Vorträgen,
wobei auch die Frauen der Mitglieder anwesend waren. Leider kamen bei
der
Verlosung jedoch Unregelmäßigkeiten vor –
Manipulationen nannte es der
Protokollführer - die dazu führten, dass einer der
Beschuldigten freiwillig seinen
Austritt aus dem Verein erklärte und ein anderer auf
schriftlichem Wege
ausgeschlossen wurde (4.1.1914). Dieser wurde aber später auf
seine Beschwerde
hin nach geheimer Abstimmung wieder aufgenommen.
Die
erste Sitzung des Jahres 1914 war eine Generalversammlung, wobei der
alte
Vorstand wiedergewählt, der Beitrag neu festgelegt, das
Programm für das
folgende Jahr grob erstellt und verschiedenes anderes abgehandelt wurde
(Protokoll
v. 25.1.1914). Im Anschluss an diese Generalversammlung fand noch eine
Sitzung
mit 8 Mitgliedern statt. Dann war offenbar 4 Monate Pause.
Der
nächste Bericht erscheint erst wieder im Juni 1914
über eine außerordentliche General-Versammlung,
die einberufen war, um – wie es im Protokoll
wörtlich heißt: „den in der
letzten Zeit auftretenden, den Vereinsinteressen so sehr
schädigenden,
schlechten Zustände ein Ende zu machen“. Welcher Art
die Zustände waren, ist
nicht ersichtlich; es heißt lediglich, dass mehrere
Vorstandsmitglieder aus dem
Verein austraten, weil sie ein gedeihliches Weiterarbeiten mit anderen
Mitgliedern
für ausgeschlossen hielten. Es war dies jedoch die letzte
Sitzung vor Ausbruch
des 1.Weltkrieges. Protokolle für die Kriegsjahre sind nicht
vorhanden.
Erst
am 1.1.1919 fand wieder eine Generalversammlung mit 13 Anwesenden
statt; es
wurde der Vorstand gewählt, Aufnahmegebühren und
Beitrag festgelegt, das
Programm entwickelt, auf dessen Basis der Verein in Zukunft arbeiten
sollte. Es
wurde beschlossen, ein Verzeichnis der Lokalfauna anzulegen und es
wurde ein
Mitglied mit der Leitung dieser Arbeit beauftragt; aber dabei blieb es
vorerst.
Erst 1938 hat man damit ernsthaft begonnen. An den folgenden Sitzungen
nahmen 8
– 12 Personen teil. Ansonsten kein Protokoll.
Das
Jahr 1920 begann wieder mit einer Generalversammlung, die nicht
besonders
erbrachte. Man beschloss, um der schwachen Vereinskasse etwas auf die
Beine zu
helfen, dass Mitglieder, die aus ihrer Sammlung etwas entbehren könnten, diese Stücke
dem Verein zur Verlosung
zur Verfügung stellen sollte. Der Erlös hieraus
sollte in die Vereinskasse
fließen.
In
Mannheim
bestand damals
neben dem
Verein, von dem wir hier sprechen, dem „Entomologischen
Verein Mannheim“ noch
ein weiterer entomologischer Verein, die „Mannheimer
entomologische
Gesellschaft“. 1920 kam es zum Zusammenschluss dieser beiden
Vereine zur
„Entomologischen Vereinigung Mannheim“. Man hielt
die Fusion für erforderlich.
Zweck
des neuen Vereins war in erster Linie die Erforschung der Insektenfauna
von
Mannheim und Umgebung, u. a. wurde beschlossen, alljährlich in
Mannheim eine
Ausstellung mit Kauf- und Tauschbörse zu veranstalten. Hierzu
ist es vorerst
jedoch nicht gekommen; es gab zu viele Mitglieder, die
überhaupt gegen die
Veranstaltung einer Ausstellung waren. Außerdem legten schon
4 Monate nach dem
Zusammenschluss die beiden Vorsitzenden ihre Ämter wieder
nieder
(20.7.1920).
Nach dem Protokoll
entstand
nach den überraschenden Rücktritten eine
„unerquickliche“ Debatte u. a. auch
wegen der unparlamentarischen Führung der Versammlung durch
den Vorsitzenden.
Die
Sitzungen unmittelbar nach dem Zusammenschluss waren stets von mehr als
20
Mitgliedern besucht; der Besuch ging aber noch im Laufe des gleichen
Jahres immer
mehr zurück. Es wurden laufend entomol. Vorträge
gehalten, zahlreiche Bücher
wurden angeschafft oder von Mitgliedern dem Verein geschenkt.
Am
12.10.1920 wurde Max Trippel als neues Mitglied
begrüßt. Über die Jahre 1921 u.
1922 ist nichts besonders zu berichten; die Sitzungen verliefen
offensichtlich
harmonisch. In den Protokollen heißt
es…“sehr gemütlich mit entomol. und
sonstiger Unterhaltung, Erzählungen vom Kriege usw.“. Die Zahl der Anwesenden schwankte
zwischen 6
– 15 Mitglieder.
Protokoll
v. 7.1.1922: Sammlungsschrank angeschafft…Vereinssammlung?
In
einer Sitzung im Jahr 1921 kam es mit dem Wirt des damaligen
Vereinslokals zu einer
scharfen Auseinandersetzung, weil diesem der Konsum an
Getränken usw. zu gering
erschien und er deshalb eine
„unverschämte“ Vergütung
für die Benutzung des
Lokals verlangte. Man zog in ein anderes Lokal um.
Protokoll
v. 1.1.1923: „…abgelaufenes Jahr
schlecht…“
Protokoll
v. 22.2.1923:
… Klage
über schlechten
Besuch..
Der
nächste Bericht entstand erst wieder im April 1935 (10
Anwesende). In einem der
ersten Berichte dieses Jahres heißt es, die monatlichen
Beiträge seien neu
festgesetzt worden (-.30 RM für Arbeitende u. 0,10 RM
für Arbeitslose) und
ferner seien einige freiwillige Spenden als Grundlage für den
wieder
entstandenen Vereins gestiftet worden. Daraus ist zu
schließen, dass ein
Vereinsleben in den vergangenen 12 Jahren nicht stattgefunden hatte.
Die
Besucherzahl der Sitzungen betrug damals 8-12 Personen (oft waren auch
die
Ehefrauen dabei).
Das
besondere Ereignis dieses Jahres 1935 war eine Ausstellung mit Tausch-
und
Kaufbörse im Kolosseum in Mannheim (Dez. 1935), zu der auch
auswärtige Gäste
eingeladen wurden. Max Trippel stellte Brotbretter zur Herstellung von
Tischen
zur Verfügung. Diese Bretter wurden auf Bierfässer
gelegt. Der Erfolg war groß;
die Ausstellung war sehr gut besucht, auch Vertreter der Presse waren
anwesend,
die gute Artikel hierüber brachten. Es wurde ein
Überschuss von 50.- RM
erzielt, von dem der Verein Falter kaufte und an die Mitglieder
verteilte.
(Prot. v. 15.12.1935, Schlusssatz)
In den
Jahren 1936 und 1937 lief das Vereinsleben offenbar auf Sparflamme,
namentlich
deshalb, weil der Besuch der Zusammenkünfte sehr zu
wünschen übrig ließ (Prot.
v. 8.10.1936). Prot. Ende August 1937 … nur 3 Anwesende.
Prot. v. 14.10.1937 …
wieder guter Besuch.
Das
25-jährige Vereinsjubiläum wurde aber doch von einer
größeren Anzahl der
Mitglieder mit einem gemeinsamen Abendessen und nachfolgenden
humoristischen
Darbietungen und Vorlesungen gefeiert. Die Feier nahm einen
schönen und
harmonischen Verlauf.
In
allen Jahren bis 1943 wurden Kauf- und Tauschbörsen
abgehalten, zu denen auch
auswärtige Gäste erschienen (manchmal mehr
Auswärtige als Mitglieder),
insbesondere Besucher aus Frankfurt (z.B. die Herren Lederer, Steeg,
Prack und
Riedinger).
Am
24.11.1938 wurde endlich die schon 1919 beschlossene Bearbeitung der
Lokalfauna
in Angriff genommen. Dies wirkte offenbar wieder sehr belebend auf das
Vereinsleben (Prot. v. 24.11.1938). Die Mitglieder brachten die zur
Debatte
stehenden Falterarten zu den Sitzungen mit.
08.03.1939:
edusa,
aethiops 22.3.1939:
hermione, dryas
19.01.1941:
Arg.
daphne (Blum)
30.11.1941:
Th. spini (Lienig)
18.01.1942:
alciphron
(häufig)
Man kam
bis zu den Lycaeniden.
Am 5. und
6.9.1943 wurde Mannheim bombardiert, - vorerst Ende der Sitzungen.
Ab
Februar 1947 trafen sich wieder einige Entomologen auf Einladung von
Hermann
Lienig zu monatlichen Zusammenkünften in seiner Weinheimer
Wohnung oder im
Sommer zu Sammelausflügen. Erst von Ende 1948 ab fanden die
Sitzungen in einem
Lokal (Weinstube „Zur Pfalz“ auf dem Marktplatz in
Weinheim) statt.

Weinstube
„Zur Pfalz“ am Marktplatz in
Weinheim/Bergstr., das 1. Versammlungslokal des
Rheinisch-Odenwälder Vereins
für Insektenkunde
Man
beschloss zwar das Vereinsleben der „Entomologischen
Vereinigung Mannheim“
weiter zu führen, jedoch unter einem anderen Namen:
„Rheinisch-Odenwälder
Verein für Insektenkunde“. Die Teilnehmerzahl betrug
in den ersten beiden
Jahren zwischen 8 und 12 Personen. Den
Vorsitz übernahm Max Trippel aus Mannheim.
Protokoll
v. 12.10.1947: Colias phicomone (?) bei Bensheim gefangen.
Protokoll
v. 6.6.1948: In Oftersheim Zygaena cynarae nicht mehr vorhanden.
Protokoll v. 5.12.1948: Neue
Mitgliedskarte
von dem Mitglied und Kunstmaler Franz Peking entworfen.

Von Franz Peking handgemalter
Mitgliedsausweis aus dem Jahre 1948
Die
Jahre bis 1952 verliefen ohne Besonderheiten. Der Mitgliederstand
betrug zum
1.1.1951: 36
Protokoll
v. 4.4.1954: Sat. briseis bei Lampertheim.
Protokoll
v. 2.12.1951: Hesp. amoricana bei Hüttenfeld von Lienig und
bei Heppenheim von
Pater Siegbert Wagner gefunden.
Protokoll
v. 6.1.1952: Nach einem Vortrag von Pater Siegbert Wagner über
eine Tirol-Reise
wurde eine Sammlung durchgeführt und mit dem Geld Lotto
gespielt (Anmerkung des
Verfassers: Über einen Gewinn wurde nicht berichtet).
Protokoll
v. 8.6.1952: Lar. molluginata bei Nächstenbach.
Protokoll
v. 1.2.1953: Franz Peking findet bei Bensheim einen Flügel von
A. hebe.
Herausragendes
Ereignis des Jahres 1953 war die Veranstaltung des 1.
Südwestdeutschen
Entomologentags in Weinheim an der Bergstraße.. Derartige
Veranstaltungen
wurden auch noch in den Jahren 1954, 1955 in Kassel anlässlich
der dortigen
Bundesgartenschau und dann in
den Jahren
1956, 1957, 1961 und letztmals 1966 veranstaltet.
Ende
des Manuskripts von Alois Streck.
Zeittafel:
1912
07. September: Gründung des
Entomologischen Vereins Mannheim
1913 26.
Oktober: Erste Insekten-Ausstellung, verbunden mit Kauf- und
Tauschbörse, in den
„Kaiser-Sälen“ in Mannheim, Seckenheimer
Str. 11a.
1914 Ausbruch
des 1. Weltkrieges
1918 Ende
des 1. Weltkriegs
1919 Beschluss
zur Erstellung einer Lokalfauna
1920 Zusammenschluss
des „Entomologischen Vereins
Mannheim“ und der „Mannheimer
Entomologische
Gesellschaft“ zur „Entomologischen Vereinigung
Mannheim“.
Am
12.10.1920 wird Max Trippel Mitglied dieser Vereinigung.
1921
– 1923 Geringe
Aktivitäten des Vereins
1935
Nach einer
langen Pause wird der Verein wieder aktiv und führt eine
weitere Ausstellung im
Kolosseum durch.
1937 25-jähriges
Vereinsjubiläum
1938
Erneuter
Anlauf zur Erstellung einer
Lokalfauna
1939
Beginn
des 2. Weltkriegs
1943
Bombardierung
Mannheims, das Vereinsleben
erlischt.
1945
Ende
des 2. Weltkrieges
1946
Am 27.
Oktober treffen sich auf der
Frankfurter Insektentauschbörse die Herren Tuppeck, Andreae
und Lienig und
diskutieren die Möglichkeiten zur Neugründung des
Vereins.
1947
Mehrere
Zusammenkünfte der
Herren Tuppeck,
Auerbach, Andreae, Gebrüder Peking, Jost, Ellinger, Trippel,
Prof. Krässig,
Böhm, Hugstetten, Essig, Dr. Andres, Dr. Ritzert,
Böhn, Schäffer, Schneider,
Kranzler und Lienig in der Wohnung Lienig. Hauptthema:
Neugründung. Prof.
Krässig verhandelt mit den Behörden bez. der
Neugründung.
Erster
Sammelausflug in den Viernheimer
Wald. Lienig schlägt vor, alle Fänge und
Beobachtungen schriftlich
festzuhalten.
1948
Weitere
Zusammenkünfte in der Wohnung
Lienig. Es erfolgt die Namensänderung des Vereins in
Rheinisch-Odenwälder
Verein für Insektenkunde. Künftige Versammlungen
finden im Lokal „Zur Pfalz“ am
Marktplatz in Weinheim statt.
1952
1.
Zusammenkunft der Entomologen des
Rhein-Main-Gebietes in Bensheim a. d. B. (LIENIG: Entomologische
Zeitschr. , 1.
Juni 1952)
1953
1.
Südwestdeutscher Entomologentag in
Weinheim
1954
2.
Südwestdeutscher Entomologentag in
Weinheim
1955
3.
Südwestdeutscher Entomologentag in Kassel
anlässlich der Bundesgartenschau
1956 4.
Südwestdeutscher Entomologentag in
Weinheim
1957 5.
Südwestdeutscher Entomologentag in
Weinheim
1958 Versammlungslokal
„Zum Bahnhof“
1959 Heinz
Czipka wird zum neuen Vorstand und Hermann
Lienig zum Ehrenvorsitzenden gewählt.
1961
6.
Südwestdeutscher Entomologentag in
Weinheim
1964
7.
Südwestdeutscher
Entomologentag in Weinheim
1966
8.
Südwestdeutscher
Entomologentag in Weinheim
1980
Philipp
Michael Kristal veröffentlicht „Die
Großschmetterlinge aus dem südhessischen Ried und
dem vorderen Odenwald“
1990
Ernst Blum wird zum
Vorstand
gewählt.
Die
Südwestdeutschen Entomologen-Tagungen:
Am 2. März
1952 trafen sich 26 Mitglieder des
Entomologischen Vereins „APOLLO“, Frankfurt a. M.
und des Rheinisch-Odenwälder
Vereins für Insektenkunde (Rh.-O.V.f.I.) in Bensheim a. d. B.,
um eine
Arbeitsgemeinschaft zu gründen. „Ziel soll sein, durch
Vorträge, Erfahrungsaustausch und
gemeinschaftliche
Sammelexkursionen den Mitglieder der beiden Vereine, insbesondere den
jüngeren,
Gelegenheit zu geben, ihr Wissen zu erweitern und zu vertiefen,
Anregungen zu
erhalten, sowie auch neue Anhänger der Entomologie
zuzuführen.“
Die Leitung der
Zusammenkunft hatte der Vorsitzende des
Rh.-O.V.f.I., Max Trippel. Hierbei wurde der Plan ins Auge gefasst,
alljährlich
einen Entomologentag mit Vorträgen und Ausstellungen
abzuhalten (LIENIG, 1952).
1.
Südwestdeutsche
Entomologentagung:
Der 1952 gefasste
Beschluss wurde konsequent in die Tat
umgesetzt. Am 18. – 20. April 1953 wurde die 1.
Südwestdeutsche
Entomologentagung in Weinheim a. d. B. durchgeführt.
Tagungslokal war die
Weinstube „Zur Pfalz“ am Marktplatz in Weinheim.
Programm:

Zusätzlich
referierte
Herr Dr.
Müller
(„Schuppenmüller“) aus Frankfurt a. M.
über
interessante Untersuchungen an Parnassiusschuppen, die von ihm zur
Artunterscheidung
herangezogen wurden.
Die Tagung war ein
voller Erfolg. Bereits am Samstag, den
18. April 1953, hatten sich 23 Entomologen in die Teilnehmerliste
eingetragen.
Am darauf folgenden Sonntag waren es 28 Besucher. Neben
den anwesenden Vereinsmitgliedern waren folgende
Gäste zu erwähnen: Prof. Gustav de Lattin
(Siebeldingen), Alois Gremminger
(Karlsruhe), Eduard Schütze (Kassel), Pater Siegbert Wagner
(Bensheim), Karl
Stamm (Düsseldorf) und Hans Jöst (Annweiler).
2.
Südwestdeutsche
Entomologentagung:
Danach wurde auch die
zweite Tagung vom 19. bis 21. Juni
1954 unter der Federführung des Rh.-O.V.f.I. und des
Entomologischen Vereins
„Apollo“, Frankfurt a.M. durchgeführt.
Auch diese Veranstaltung war wieder sehr
gut besucht. Wie im Jahr zuvor hatten sich auch hier 28
Tagungsteilnehmer in
die Anwesenheitsliste eingetragen.
Programm:


Teilnehmer
der 2.
Südwestdeutschen Entomologentagung in Weinheim/Bergstr., 1954
(v. links nach
rechts):
?, Dr. Ritzert
(Darmstadt), ?, Lienig (Weinheim), Trippel
(Mannheim), Schütze (Kassel), Ziegler (Mannheim), Hergenhahn
(Frankfurt a. M.), Prof.
de Lattin (Siebeldingen, Pfalz), Dr.
Andres (Darmstadt), Schneider (Mannheim), ?, Dr. Lederer (Frankfurt a.
M.), ?,
Dr. Müller (Frankfurt), Gremminger (Karlsruhe), ?,K. Blum
(Beindersheim,
Pfalz), Streck (Bensheim), Jöst (Annweiler, Pfalz), ?, Bojunge
(Frankfurt a.
M.).
(Die mit
?
bezeichneten
Personen sind den Autoren
nicht bekannt.)
3.
Südwestdeutsche
Entomologentagung:
Diese fand
anlässlich der Bundesgartenschau, am 29.-31.
Mai 1955 (Pfingsten) im Städtischen Naturkunde-Museum in
Kassel statt. Dazu
hatten eingeladen:
Internationaler
Entomologischer Verein e.V. Frankfurt a. M.
Rheinisch-Odenwälder
Verein für Insektenkunde, Mannheim
Entomologischer
Verein
„APOLLO“, Frankfurt a. M.
Entomologische
Arbeitsgemeinschaft (im Verein f. Naturkunde
e.V.) Kassel.
Unter den 40
Teilnehmern
waren die Herren Jäckh (Bremen), Dr.
F. Heydemann (Plön),
Dr. G. Lederer
(Frankfurt
a. M.), Dr. A. Bergmann (Arnstadt),
A. Gremminger (Karlsruhe), G.
Till
(Frankfurt a. M.) und Prof. Dr. G. de Lattin
(Siebeldingen). Vom Rh.-O.V.f.I. waren die Herren Dr. K. Andres, Dr.
Ritzert,
H. Lienig, A. Streck und Knecht anwesend.

3.
Südwestdeutscher
Entomologentag in Kassel (1955): v. l. n. r. : unbekannt, Dr. Andres
(Darmstadt), Prof. Dr. de Lattin (Geilweilerhof, Pfalz), Dr. Lederer
(Frankfurt), Lienig,
(Weinheim)
. Foto:
A. Streck
4.
Südwestdeutscher
Entomologentag:
Diese Veranstaltung am
19. bis 22. Mai fand wieder in
Weinheim in der Weinstube „Zur Pfalz“ statt und
wurde, wie in den Jahren zuvor,
von Hermann Lienig organisiert.
Programm:

5.
Südwestdeutscher
Entomologentag:
Fast zum gleichen Datum
wie 1956 wurde der Entomologentag 1957
in Weinheim abgehalten.
Programm:

Hier wurden drei
bemerkenswerte Vorträge gehalten, die bei
allen Teilnehmern lang in Erinnerung geblieben sind:
Herr Dr. Amsel
berichtete über eine Sammelreise nach
Afghanistan, die er im Jahr zuvor unternommen hatte. Die gezeigten
Lichtbilder
von grandiosen Gebirgslandschaften, von Städten, den dort
lebenden Menschen
sowie die Fauna und Flora haben die Anwesenden gefesselt und ins
Staunen
versetzt, war doch schon allein die Autofahrt dorthin über
10.000 km lang. Ein
für diese Zeit waghalsiges Unternehmen.
Ebenso interessant war
der Vortrag von Herrn Dr. Magnus
über Untersuchungen zur Biologie und Verhalten des
Kaisermantels. Er verteilte
bei den Tagungsteilnehmern Zuchtmaterial von dem Arg. paphia. So
erhielt auch
Herr Streck Raupen. Aus dieser Zucht schlüpfte ein Gynander.
Herr Lienig
bot
den
Tagungsteilnehmern ebenfalls einen Lichtbildervortrag und zeigte
eindruckvolle
Bilder von den kleinsten Kleinschmetterlingen aus den Gruppen
Lithocolletis und
Nepticula.
Unter den 34
Tagungsbesuchern waren u. a. die Herren Dr.
Lederer, Till, Künnert, Jöst, Strobel und Gremminger.
6.
Südwestdeutscher
Entomologentag:
Wie in den Jahren zuvor
traf man sich wieder in Weinheim, diesmal
vom 29. April bis zum 1. Mai 1961. Der
Tagungsraum befand sich diesmal im Lokal „Zur
Bergstraße“.
Das Hauptreferat hielt
Herr Prof. Dr. G. de Lattin,
Direktor des Zoologischen Instituts der Universität des
Saarlandes, zum Thema:
„Variabilität und Vererbung bei
Schmetterlingen“.
In die
Anwesenheitsliste hatten sich 56 Tagungsteilnehmer
eingetragen. Darunter waren: Dr. Amsel (Karlsruhe), Prof. Dr. de Lattin
(Saarbrücken), Jöst (Annweiler), Junge (Dossenheim),
Krässig (Mannheim), Laube
(Speyer), Dr. Roesler (Neustadt/Wstr.), Dr.
Sigbert Wagner (Bocholt),
7.
Südwestdeutscher
Entomologentag
Vom 1. Mai bis 03. Mai
1964 trafen sich die
südwestdeutschen Entomologen abermals in Weinheim, diesmal im
Lokal „Zum
Weschnitztal“ in der Birkenauer Straße.
41 Tagungsteilnehmer
nahmen an den Vorträgen teil. Herr
Wunderlich aus Frankfurt referierte über seltene deutsche
Noctuidae. Der
Vortrag von Herrn Prof. Dr. G. de Lattin hatte das Thema:
„Die postglaciale
Entwicklung der mitteleuropäischen
Lepidopterenfauna“. Ein Referat, das bei den
Zuhörern besondere Beachtung fand und ihnen die
zoogeographischen Zusammenhänge
und deren zeitliche Entwicklung seit der letzten Eiszeit anschaulich
und
verständlich näher brachte. Am letzten Tag der
Tagung stand eine
Exkursion in den Steiner Wald bei Biblis auf dem Programm.
8.
Südwestdeutscher
Entomologentag
Die 8. und letzte
Veranstaltung dieser Reihe fand am 24.
und 25. September 1966 im Hotel „Pfälzer
Hof“ in Weinheim statt. In der
Anwesenheitsliste sind 36 Tagungs-Teilnehmer aufgeführt. Es
referierten: Dr. R.
Roesler
„Über
Herkunft, Verbreitung und
Häufigkeit einheimischer Insekten“. Herr Wilde aus
Roßdorf bei Darmstadt sprach
über „Präparation
von frischen Faltern
und Tütenmaterial“ und der Vereinsvorsitzende Herr
Heinz Czipka hatte das Thema
„Als Entomologe in Zentral-Anatolien (1961 und 1966), eine
vergleichende
Betrachtung zweier Exkursionen“.
Danach
fanden keine Südwestdeutschen Entomologentage mehr
statt.
Vorstände:
Max
Trippel:
Max
Trippel, von
Beruf Bäckermeister, trat am 12.10.1920 in die Entomologische
Vereinigung
Mannheim ein und war einer der Neugründer des Rhein.-Odenw.
Vereins f.
Insektenkunde nach dem Kriege, dessen Vorsitz er von 1948 bis Sept.
1958 innehatte.

Max
Trippel (1. von links) zusammen mit den Herren Knecht, Dr. Andres,
Gerosa,
Hanauer und Oberth beim Sammelausflug am 04.09.1955 im Gorxheimer Tal.
Foto: A.
Streck.
Hermann Lienig wurde am
09. 03 1888 in Ilbenstadt (Kreis
Friedberg)
geboren und betrieb in
Weinheim eine Gärtnerei. Er war von Oktober 1958 bis November
1959 Vorsitzender
des Vereins. Danach wurde er zum Ehrenvorsitzenden gewählt.
Für die lepidopterologische
Erforschung seiner Heimat hat er Vorbildliches geleistet. Besonders zu
erwähnen
ist der Nachweis von 1400 Kleinschmetterlingsarten im
hessisch-badischen Raum.
Seine Sammlung und Tagebücher befinden sich heute im
Staatlichen Museum für
Naturkunde in Karlsruhe. Hermann Lienig verstarb am 23. Dezember 1970
im Alter
von 82 Jahren in Weinheim.

Heinz
Czipka kam 1958 zum Verein und wurde im Dezember
1959 zum Vorsitzenden gewählt. Diesen Vorsitz hatte er
über 30Jahre, bis
Dezember 1989 inne. In dieser Zeit hat er sich um den Verein
große Verdienste
erworben. Die Leitung und die Durchführung der
Südwestdeutschen
Entomologentagungen waren bei ihm in den besten Händen. Als
Lehrer hatte er
auch Geschick, die Jugend an die Entomologie heranzuführen.
Seine
Hauptinteressen auf entomologischem Gebiet galten den Sphingidae
(Hybriden),
den Arctiiden und den Käfern.
Über seine
Sammelreisen in die Türkei, nach Persien, Marokko und auch in
viele europäische
Länder berichtete er den Vereinsmitgliedern oder bei
Entomologentagungen in unterhaltsamer
Weise.

Heinz
Czipka (rechts), Frau Czipka (links) zusammen mit Prof., Dr. de Lattin
bei der
Exkursion nach Seeheim/Bergstr.
anlässlich des 6. Südwestdeutschen Entomologentags in
Weinheim/Bergstr. 1961

6.
Südwestdeutscher Entomologentag in Weinheim/Bergstr. 1961 (v.
links n. rechts):
Heinz Czipka, Frau
Czipka, Herr Knecht, Herr Wunderlich (Frankfurt a.M), Prof., Dr. de
Lattin
(Saarbrücken), Frau
Wunderlich, ?, ?, Dr. Andres, ?, Hanauer,
Dr.
Amsel
(Karlsruhe), Dr. Riegelbauer, Ziegler, Lienig,
Till (Frankfurt a. M.), Pater Siegbert
Wagner
Ernst Blum kam
1955 als
16-jähriger zum Verein. Ein
Jahr zuvor war sein Großvater gestorben, der schon vor dem
Krieg Mitglied des
Vereins war. Ernst Blum übernahm seine Sammlung. Hier im
Verein fand er den
Kontakt zu Gleichgesinnten, zuerst zu den Mitgliedern aus Hessen und
Baden,
aber auch zu den Kollegen aus der Pfalz (Bastian, Beierlein, Bettag,
Dr.
Roesler). Für seine ursprüngliche Lokalsammlung der
Pfalz musste er die Grenzen
bald erweitern. Sammelreisen in viele europäische und
außereuropäische Länder –
von Lappland bis nach Marokko und von Spanien bis in die
Türkei, machten dies
erforderlich. Ab 1989 bis heute sind die Glasflügler sein
Hauptinteresse, ohne
dabei andere Familien zu vernachlässigen. Die Spezial-Sammlung
Glasflügler
enthält zurzeit 2500 Belege von 154 paläarctischen
Arten. Er organisierte
Sesidologentagungen im
Naturkundemuseum
Bad Dürkheim, die von Kollegen aus vielen
europäischen Ländern besucht wurden. Im Jan. 1990 wurde er zum Vorstand
gewählt.
Mitglieder:
Alois
Streck stammt aus dem Sudentenland und
trat 1953 in den Rhein.-Odenw. Verein für
Insektenkunde ein und
war 51 Jahre lang Schriftführer des Vereins. Seine
umfangreiche Lokalsammlung enthält
849 Arten Großschmetterlinge
aus Südhessen,
die er in mehr als fünf Jahrzehnten zusammengetragen hat.
Schon 1968 fand
Streck den Mistelglasflügler; Synanthedon loranthi bei
Lampertheim. Die Art war
erst zweiJahre zuvor durch Kralicek neu beschrieben worden. Diese Funde
waren
die Erstnachweise dieser Art in Deutschland, blieben aber bis 1990
unerkannt. Bei
Exkursionen und beim Lichtfang waren Karl Bastian oder Philipp Michael
Kristal
oft seine Begleiter. Zahllose
Zuchten
wurden von ihm durchgeführt. Seine Sammlung mit ca. 30.000
Belegen ist
inzwischen an das Forschungsinstitut und Naturmuseum Senckenberg in
Frankfurt
am Main als Schenkung übergegangen.

Von
links n. rechts: Alois
Streck, Hermann
Lienig und
Julius Till (Frankfurt
a. M.) bei einer Exkursion anlässlich der 4.
Südwestdeutschen Entomologentagung in Weinheim/Bergstr. 1956.
Foto: Sr. Andres
Karl
Bastian ist
mit 82
Jahren das älteste Mitglied des Vereins. Er trat bereits 1950
in den Verein ein
und hat in mehr als fünfzig Jahren eine umfangreiche Sammlung
Makro- und
Mikro-Lepidoptera aus der Pfalz, aber auch aus Hessen zusammengetragen.
Er und
Alois Streck haben über Jahrzehnte gemeinsame Exkursionen in
Hessen durchgeführt.
Auch bei ihm stand die Zucht von Groß- und
Kleinschmetterlingen im Vordergrund.
Fritz
Ziegler: In den vorliegenden Mitglieder-Verzeichnissen und
Anwesenheitslisten wird er schon 1950 aufgeführt. Er war bis
1967 Kassierer.
Diesen Posten gab er danach an Ernst Blum ab. 1974 besuchte er aus
Gesundheits-
und Altersgründen letztmals die Versammlungen.

Von links nach rechts:
Fritz
Ziegler, Max Trippel, Hans Schneider und
Dr. Walter Ritzert bei der 4.
Südwestdeutschen
Entomologentagung in Weinheim/Bergstr.
Philipp Michael Kristal (05.01.1945 bis 18.05.1997) war ab
4.2.1973
Mitglied des Vereins. Er
schrieb in
seinem kurzen Leben ca. 40 Aufsätze in lepidopterologischen
Fachzeitschriften,
war Mitarbeiter bei der Erstellung der Roten Liste hessischer Tagfalter
und
veröffentlichte 1980 „Die
Großschmetterlinge aus dem südhessischen Ried und
dem vorderen Odenwald“., Damit
fand die jahrelange Erfassung der heimischen Schmetterlings-Fauna einen
vorläufigen Abschluss.

Aufgrund seines
Engagements in Sachen Naturschutz war er Mitglied im Kreisvorstand des
NABU und
ebenso im Kreisvorstand bei der Unteren Naturschutzbehörde des
Kreises
Bergstraße in Heppenheim. 1986 wurde er mit dem
Umweltschutzpreis der Stadt
Bürstadt ausgezeichnet. Sein Engagement für den
Naturschutz war beispielhaft.
Nach der Entdeckung des einzigen Vorkommens von Melitaea aurelia an der Bergstraße pachtete er das
Gelände auf dem
aurelia flog
und stellte durch Pflegemaßnahmen den Fortbestand des Falters
sicher. Der
Höhepunkt seines entomologischen Schaffens war die Entdeckung
des Wurzelbohrers
Pharmacis
claudiae
im
Aosta-Tal.
Zusammen mit den Herren Hirneisen und Steiner beschrieb er die Art
1994. Er war
immer bereit, seine Beobachtungen und Erfahrungen in unserem Verein und
auch
anderswo weiterzugeben. Michael Kristal verstarb am 18.05.1997.
Dr.
Fritz Montfort kam
1964 zu
dem Verein. Der in Heidelberg wohnende Chemiker
beschäftigte
sich nicht als Feldentomologe,
sondern mit der entomologischen Literatur. Im Laufe von Jahrzehnten
hatte er
eine sehr umfangreiche Bibliothek zusammengetragen, in der
die alten Werke von Maria Sibylla Merian und Roesel van
Rosenhof
besonderen Stellenwert hatten. Neben diesem Fachgebiet besaß
er auch eine
Sammlung französischer Literatur über Napoleon.

Vor
seinem Tode
übergab er seine Bibliothek der Landesbibliothek
Baden-Württemberg in
Stuttgart. Wegen des gewaltigen Umfanges der Bibliothek nahm der
Abtransport
geraume Zeit in Anspruch, so dass sich der Hausbesitzer veranlasst sah,
einen
Statiker zu beauftragen, das Haus – die Wohnung Montfort lag
im 1. Obergeschoß
- auf event. Schäden zu untersuchen.
Günter
Junge (geb. am
28.07.1913) kam 1961 zum Rhein.-Odenw. Verein
f. Insektenkunde. Er war Oberst bei der Luftwaffe und nach seiner
Pensionierung
freischaffender Architekt. Er beschäftigte sich
ausschließlich mit Tagfaltern
und Zygaenidae. Dabei hatte er sich einen großen Rahmen
gesteckt. Er sammelte
nicht nur in Deutschland, sondern -
meist zusammen mit den Herren Prof. Rose und Hesselbart –
auch in Griechenland,
der Türkei und im Iran. Besonderes Aufsehen erregte im Jahr
1976 die Entdeckung
der Zygaena carniolica ssp. kappadokiae.
Diese nur in
Kappadokien vorkommende carniolica-Subspezies ist
vorwiegend weiß und rot gefärbt und das bei anderen
Subspezies überwiegende
Schwarz ist hier fast verschwunden. Günter Junge starb im
Alter von 90 Jahren
am 02. Oktober 2003 in Schriesheim-Altenbach. Seine umfangreiche
Sammlung mit
23.000 Macrolepidoptera, in der sich 6 Holotypus-, 4 Allotypus- und 540
Paratypus-Exemplare befinden, übergab er 1982 dem Staatlichen
Museum für
Naturkunde in Karlsruhe.
Pater Siegbert Wagner war von 1950 bis 1953 Mitglied des Vereins. Der inzwischen
Verstorbene hat als
Spezialist der Gattung Melanargia einen wesentlichen Beitrag
für Entomologie geleistet.
Der
Arzt Dr. Karl Andres nahm erstmals
im
Dezember 1947 an dem regelmäßigen Treffen der
Entomologen in Weinheim teil. Seine
Sammlung wurde im Krieg zerstört. Zwischen ihm und Lienig
bestand eine gute
Freundschaft. Dabei hatte es beiden die Gattung Eupithecia besonders
angetan. 1968
veröffentlichte Andres in der Entomologischen Zeitschrift:
einen Artikel der in
Fachkreisen Beachtung fand und vielen Kollegen den Einstieg in diese
schwierige
Gruppe erleichterte. „Die Eupithecien der
Bergstraße und des vorderen
Odenwaldes“.Bei den Mitgliedern unseres Vereins fand sein
Vortrag mit dem
Titel. „Geklopftes und Gekratztes“ besondere
Beachtung. Darin berichtete er am
06.03.1955 über die Techniken der Raupensuche.

Dr. Karl Andres bei einer
Exkursion im Gorxheimer Tal am 04.09.1955 Foto: A. Streck
Alois
Gremminger (1886 – 1959) war zwischen 1950 und
1957 Mitglied
des Vereins und auch Teilnehmer an
den Südwestdeutschen Entomologentagungen. Seine
entomologischen Bebachtungen im
badischen Raum hat er akribisch auf Karteikarten festgehalten. Diese
wertvolle
Notizen flossen in das Grundlagenwerk „Die Schmetterlinge
Baden-Württembergs“
ein (EBERT 1991
– 2005).

Dr. Karl Andres (l.) und
Alois
Gremminger (r.) auf der Insektenbörse in Frankfurt a. M. 1953
Franz
Peking kam schon 1947
zum Verein und war somit
einer der Motoren
bei der Wiederbelebung des Vereinsgeschehens nach dem 2. Weltkrieg. Das
„Darmstädter Echo“ vom 11. September 1976
berichtete in einem Artikel „Der
Schlauberger im Malerhäuschen“ über das
Leben dieses „Originals“. Er stammte aus dem Erzgebirge und lernte
dort
seine Frau kennen, die aus dem Odenwald zu Besuch angereist war. 1933 ist er dann in den Odenwald
übergesiedelt. In Lindenfels bewohnte er ein kleines
Häuschen, ursprünglich
eine heruntergekommene Unterkunft für Steinbrucharbeiter. Diese baute er zu einem schmucken Domizil aus.
Als
Berufsbezeichnung gab er stets „Maler-Entomologe“ an. Stellte er sich einem Fremden vor,
dann
so: „Franz Peking, wie die Hauptstadt von China“
(Insiderinfo: Fritz Ziegler
nannte ihn den „Pekinesen“). Zu den Versammlungen
erschien er in unregelmäßigen
Abständen bis 1972. Den älteren Vereinsmitgliedern
werden die Lichtfangnächte am
Pekingschen Hexenhäuschen unvergessen bleiben.

1976: Franz Peking vor seinem
„Hexenhäuschen“ in
Lindenfels (Odenwald)
Prof. Dr. Ferdinand
Schmidt kam 1969
erstmals zum Verein und
besuchte die Versammlungen bis 1997. Prof. Schmidt war Mediziner am
Krebsforschungsinstitut Mannheim / Heidelberg und ist durch seine
Nichtraucherkampagnen bundesweit bekannt geworden. Er
veröffentlichte eine umfangreiche
Monographie, in der er eine kybernetische Evolutionstheorie vorstellte,
die in
Fachkreisen Aufsehen erregte. In der Entomologie interessierten ihn die
Noctuidae und Eupithecien. Durch sein berufliches Engagement war es ihm
jedoch nicht
möglich sich mit diesen beiden Gruppen intensiver zu
beschäftigen. Er verstarb
am 26. Januar 2006 in Weinheim im Alter von 82 Jahren.
Dr.
Rudolf Roesler, 1908
geboren
war Berufsentomologe an der
Obst- und Weinbauschule in Neustadt/Wstr. und kam ab 1965 zum Verein.
Er leistete
1962 -
1971 zusammen mit
Jöst und Heuser
einen wesentlichen Beitrag zur Erforschung der Lepidopteren-Fauna der
Pfalz.

Dr. Rudolf Roesler 1908 –
1987
Seine
umfangreiche
Sammlung enthält neben den Großschmetterlingen auch
eine enorme Anzahl von Kleinschmetterlingen.
Dabei sind besonders die kleinsten der Kleinen die Gattungen Nepticula
und
Lithocolletis, in großen gezüchteten Serien
vertreten.
Nach
seinem Tod
(1987) übernahm sein Sohn Dr. Ulrich Roesler seine
Sammlung.
Versammlungen:
Die
im Winterhalbjahr
monatlich stattfindenden Versammlungen dienen in erster Linie dem
Erfahrungsaustausch. Regelmäßig werden
Vorträge gehalten. Die Themen sind
vielfältig: Reiseberichte, Sammeltechniken, Zuchtberichte und
viele andere
Themen der Entomologie. Trotz geringer Mitgliederzahl (zurzeit 15)
werden die Versammlungen von
meist mehr als
der Hälfte der Mitglieder besucht.
Das
Versammlungslokal
wurde mehrmals gewechselt. Seit 1995 befindet
es sich in Weinheim, in der Birkenauer Talstraße 57, im Hause
Matt.
Eine
statistische Auswertung der Versammlungsbesuche ist als
Anhang beigefügt.
Sammelausflüge:
Seit
der Neugründung 1947
wurden im
Sommerhalbjahr regelmäßig Sammelausflüge
oder auch Lichtfangabende
durchgeführt. Einige der Ziele seien hier aufgelistet:
Heppenheim (Tongruben), Seeheim
(meist im April zur Suche von dominula-Raupen), Viernheimer Heide,
Tromm,
Oftersheim, Bensheim-Auerbach, Buchklingen, Lindenfels (Lichtfang),
Lorscher
Wald, Jägersburger Wald und andere Punkte. Aufgrund der
geänderten Naturschutzgesetze
(Bundesartenschutzverordnung) und den damit verbundenen Auflagen
(Sammelgenehmigungen) wurden die Exkursionen vorübergehend
eingestellt. Die
Umweltschutz-Politik der letzten Jahrzehnte hat die
Bevölkerung hinsichtlich
des Naturschutzes sensibilisiert und es war deshalb nicht mehr ratsam,
in
Gruppen mit Netzen durch die Natur
zu gehen,
ohne Gefahr zu laufen, dass Polizei- oder Forstbeamte benachrichtigt
wurden.
Seit
2003 wurden jedoch wieder zwei Exkursionen oder
Leuchtabende ins Vereinsprogramm aufgenommen.
Sammelausflug 11.09.1955
nach Buchklingen, v. l. n. r. Hanauer, Knecht und Streck .
Foto:
Dr. Andres.
Vereinsbibliothek:
Der Grundstock zur Bibliothek wurde schon
vor dem 2. Weltkrieg gelegt. Der Verein besaß fast die ganze
ältere Standard-Literatur
der Lepidopterologie, wie Seitz (Paläarktis), Spuler,
Berge-Rebel, Lampert oder
Eckstein. Außerdem eine Reihe von Zeitschriften, die zum Teil
bis ca. 1980 noch
abonniert waren. Von Dauerausleihen abgesehen, war der Ausleihverkehr
gering.
Dies nahm Herr Streck 2001 zum Anlass, einen Antrag einzubringen, die
Vereinsbibliothek aufzulösen, d. h. zu verkaufen. Diesem
Antrag wurde von den
Mitgliedern stattgegeben. Bei verschiedeneren Antiquariaten
wurden Angebote eingeholt
und die Bibliothek letztendlich
an die Fa. Erich Bauer
für 2850.-- DM
verkauft.
Von
dem Erlös
wurden an das Staatliche Museum für Naturkunde Karlsruhe
900.-- € für das
Grundlagenwerk „Die Schmetterlinge
Baden-Württembergs“ gespendet. Der Naturschutzbund
NABU, Ortsgruppe Weinheim, erhielt 250.-- € zur
Förderung von Pflegemaßnahmen.
Weiterentwicklung
und Zukunft des Vereins: Betrachtet man die Graphik
„Statistik:
Anzahl
der Teilnehmer an den Versammlungen des Rheinisch-Odenwälder
Vereins f.
Insektenkunde“ im Anhang, so ist die Tendenz eindeutig. Die
Besucherzahl an den
Zusammenkünften nimmt stetig ab. In den 60er und 70er Jahren
hatten sich oft 20
und mehr Mitglieder in die Anwesenheitsliste eingetragen. Dies wird
wohl nie
mehr erreicht werden. Es
fehlt vor allem
an Nachwuchs. Probleme mit dem Nachwuchs beklagen auch andere Vereine
und
Organisationen, wie Chöre, Musikgruppen, Sportvereine und
Theatergruppen.
Gründe dafür gibt es genug. Die modernen Medien wie
Fernsehen, Internet und
Computerspiele verlangen ihren zeitlichen Tribut.
Schaut man ins Internet, ist man gelegentlich
überrascht, dass doch viele Jugendliche und auch Erwachsene
sich mit dem Thema Insekten
befassen, Falter, die sie nicht kennen, fotografieren und die Fotos
dann
anschließend in einem Forum präsentieren, wie z. B. www.lepiforum.de.
In der Vergangenheit hatte unser Mitglied Rolf Bläsius
Schüler aus seinen
Klassen mitgebracht und an unseren Vorträgen teilnehmen
lassen. Wir hoffen, dass
sich aus diesen Kontakten zwischen Schülern und
Entomologen ein Anreiz mit Langzeitwirkung ergibt und der
eine oder
andere Jugendliche doch den Weg zur Entomologie findet.
Unsere
Mitglieder
sind aufgefordert, Ideen zu entwickeln, Jugendliche und Erwachsene gleichermaßen
über
unsere Tätigkeiten zu informieren und Interesse zu wecken.
Nach einer ersten
Einschätzung kann dies nur durch Nutzung der neuen Medien
zuwege gebracht
werden.
Es
solle unser
aller Ziel sein,
den schon so oft totgesagten Verein am Leben zu erhalten. Das Nah-Ziel
ist das
Jahr 2012! Am 07. September 2012 wird unser Verein 100 Jahre alt!
Dank:
Für
Korrekturen
am Manuskript
bedanken wir uns bei Rolf Bläsius.
Literatur- und Quellenangaben:
ANDRES, K.
(1953):
Hermann
Lienig, Ent. Z. Frankfurt a. M. 63: S. 72
ANDRES,
K.
(1968):
Die Eupithecien der
Bergstraße und des vorderen Odenwaldes
(Lep.
Geometridae), Ent. Z., Frankfurt a. M., 78. 153-161.
EBERT,
G.
(1991-2005):
Die Schmetterlinge
Baden-Württembergs Bd. 1 bis 10, Ulmer Verlag
KRISTAL,
Ph. M.
(1980):
Die Großschmetterlinge aus dem
südhessischen Ried und dem vorderen Odenwald. Institut
für Naturschutz
Darmstadt, Schriftenreihe Beiheft 29, Darmstadt
KRISTAL,
Ph. M.
(1990):
Synanthedon loranthi Králíček, 1966
auch
in Deutschland (Lepidoptera, Sesiidae), Nachr. Ent. Ver. Apollo, N.F.11
(2): S. 61-74
KRISTAL,
Ph. M.
(1990):
Eine weitere endemische Hepialide aus den
Alpen. Pharmacis claudiae n. sp. (Lepidoptera, Hepialidae), Nota
lepidopt. 17: 53-72
LIENIG,
H. (1952):
Bericht über die Versammlung der Entomologen des
Rhein-Main-Gebietes in Bensheim a. d. B., Entomologische Zeitschrift,
62.
Jahrg. Nr. 5, 1. Juni 1952, S. 39-40.
LIENIG,
H.
(1953):
Erste Südwestdeutsche Entomologentagung in
Weinheim
a. d. B. vom 18. bis 20. April 1953. Entomologische Zeitschrift, 63
Jahrgang,
MONTFORT,
F.
(1971):
Hermann Lienig +, Beitr. Naturk.
Forsch.
SüdwDtl., Band 30 Heft 2, S. 169 – 170,
Karlsruhe 1971
STRECK,
A, (1991):
Vereinsarchiv: Handschriftliches Manuskript über die
Geschichte des Rheinisch-Odenwälder Vereins
für
Insektenkunde.
STRECK,
A.(1953-1966):
Vereinsarchiv:
Versammlungsprotokolle, Programme
und Anwesenheitslisten der 8 Südwestdeutschen
Entomologentage.