Ernst Blum und Alois Streck        11.10.2006

Die Geschichte des Rheinisch-Odenwälder Vereins für Insektenkunde, Weinheim/Bergstr.

  Vor fast 100 Jahren trafen sich Insektenfreunde aus Mannheim erstmals und gründeten einen  Verein. Diese Treffen Gleichgesinnter erstreckte sich über mehr als vier Jahrzehnte. 1945 erlosch das Vereinsleben. Kurz nach dem 2. Weltkrieg wurden diese Zusammenkünfte wieder ins Leben gerufen und sie finden bis heute im Rheinisch-Odenwälder Verein für Insektenkunde in Weinheim an der Bergstraße statt. Unter den Mitgliedern finden sich viele, die durch ihre Beobachtungen in Baden-Württemberg, Hessen und Rheinland-Pfalz wertvolle Beiträge zur heimischen Insektenforschung geleistet haben. Auch im Ausland haben Mitglieder des Vereins entomologisch gearbeitet und von dort Belegmaterial mitgebracht. Diese Aufsammlungen sind größtenteils in den Besitz von Museen übergegangen oder werden an diese übergeben werden. Sie stehen somit der Wissenschaft zur Verfügung und haben nicht nur wissenschaftlichen Wert, sondern sie sind auch Kulturgut.

Im Rahmen der in den Winterhalbjahren regelmäßig stattfindenden Zusammenkünfte des Rheinisch-Odenwälder Vereins für Insektenkunde hat Alois Streck im Dezember 1991 einen Vortrag über die Geschichte des Vereins gehalten und dazu ein handschriftliches Manuskript erstellt, das hier wenig verändert wiedergegeben wird:

Gegründet am 7.9.1912 anlässlich einer Versammlung von 7 Herren. Er erhielt den Namen: “Entomologischer Verein Mannheim“; sogleich wurde ein provisorischer Vorstand gewählt; eine Tellersammlung erbrachte 4.- Mark.

3 Monate später erfolgte die Wahl des 1. Vorstandes und von 2 Beisitzern als Stellvertreter, Kassier und Schriftführer. Die Sitzungen, die zunächst einmal, später zweimal im Monat stattfanden, hatten zuerst als Hauptthemen natürlich Fragen, die mit der Vereinsgründung zusammenhingen, wie Ausarbeitung der Statuten, Anschaffung von Mitgliedskarten usw.  Als man diese Punkte hinter sich hatte, fanden entomologische Vorträge statt. Bei den Sitzungen der ersten 6 Monate waren bis zu 20 Mitglieder anwesend.

Die Sitzungen verliefen nicht immer harmonisch; der Sitzungsbericht vom 03.03.1913 sagt z.B. zur Tagesordnung: „Nichts, nur Zänkereien“. – Ein weiterer Bericht (5.5.1913) sagt: „Die Versammlung verlief in gedrückter Stimmung wegen gegenseitiger Reibereien einzelner Mitglieder“. Tatsächlich legten bereits im April-Mai 1913 der 1. Vorstand und ein Stellvertreter ihre Ämter nieder und traten aus dem Verein aus. Die Austritte erfolgten schriftlich; die Mitglieder erhielten ein besonderes Schreiben (Dat. 7.4.13). Viel Disput gab es dann in den folgenden Sitzungen über die Rückgabe der Mitgliedskarten der ausgetretenen Mitglieder Da diese sie nicht wieder herausgaben, schuf man Abhilfe, indem man die erst vor 5 Monaten ausgegebenen Karten für ungültig erklärte und gegen neue austauschte.

Nach Überwindung dieser Krise  ging man an die Vorbereitung einer öffentlichen Ausstellung mit Kauf- und Tauschbörse. Dieses Thema füllte eine ganze Reihe von Sitzungen aus. So gab es in einer Sitzung (4.8.1913) eine längere Debatte über die Zulassung eines Sammlers, eines früheren Mitglieds, zur Ausstellung im Hinblick auf sein „seinerzeitiges flegelhaftes Benehmen“. Da es einigen Mitgliedern an Kästen für die Ausstellung fehlte, schaffte der Verein welche an und verkaufte sie an die Mitglieder gegen eine Anzahlung von 1.- M. und wöchentlichen Raten von 25 Pfennigen.

Die Ausstellung über deren Verlauf  man zufrieden war ging dann tatsächlich im Oktober 1913 in den Kaiser-Sälen in Mannheim vonstatten.

Tagesausflüge fanden damals noch nicht statt. Die abendlichen Versammlungen dauerten in der Regel von 21.00 – 23:00 h. Für Fachvorträge blieb offenbar wenig Zeit. Nachdem die Ausstellung organisiert war, ging es an die Vorbereitung der Weihnachtsfeier. Einmal wurde eine Celerio-euphorbiae-Raupe mit 2 Hörnern gezeigt. In einer der Sitzungen wurde beschlossen, eine Schwarze Liste anzulegen, worin diejenigen Händler und Züchter eingetragen werden sollten, durch welche Mitglieder beim Bezug von Material Schaden erlitten hatten. Ein andermal erging ein Beschluss, dass von nun an  die Worte „Sammelfreund“ und „Vereinsabend“ gebraucht werden sollen. Da der Besuch der Versammlungen im Laufe des Jahres 1913 immer spärlicher wurde (9-11 Personen gegenüber anfangs 20), beschloss man, die einzelnen Mitglieder per Postkarte einzuladen.

Zu Weihnachten 1913 stieg eine Weihnachtsfeier mit Verlosung von Gaben, die vom Verein angeschafft worden waren, sowie mit musikalischen und humoristischen Vorträgen, wobei auch die Frauen der Mitglieder anwesend waren. Leider kamen bei der Verlosung jedoch Unregelmäßigkeiten vor – Manipulationen nannte es der Protokollführer - die dazu führten, dass einer der Beschuldigten freiwillig seinen Austritt aus dem Verein erklärte und ein anderer auf schriftlichem Wege ausgeschlossen wurde (4.1.1914). Dieser wurde aber später auf seine Beschwerde hin nach geheimer Abstimmung wieder aufgenommen.

Die erste Sitzung des Jahres 1914 war eine Generalversammlung, wobei der alte Vorstand wiedergewählt, der Beitrag neu festgelegt, das Programm für das folgende Jahr grob erstellt und verschiedenes anderes abgehandelt wurde (Protokoll v. 25.1.1914). Im Anschluss an diese Generalversammlung fand noch eine Sitzung mit 8 Mitgliedern statt. Dann war offenbar 4 Monate Pause.

Der nächste Bericht erscheint erst wieder im Juni 1914 über eine außerordentliche General-Versammlung, die einberufen war, um – wie es im Protokoll wörtlich heißt: „den in der letzten Zeit auftretenden, den Vereinsinteressen so sehr schädigenden, schlechten Zustände ein Ende zu machen“. Welcher Art die Zustände waren, ist nicht ersichtlich; es heißt lediglich, dass mehrere Vorstandsmitglieder aus dem Verein austraten, weil sie ein gedeihliches Weiterarbeiten mit anderen Mitgliedern für ausgeschlossen hielten. Es war dies jedoch die letzte Sitzung vor Ausbruch des 1.Weltkrieges. Protokolle für die Kriegsjahre sind nicht vorhanden.

Erst am 1.1.1919 fand wieder eine Generalversammlung mit 13 Anwesenden statt; es wurde der Vorstand gewählt, Aufnahmegebühren und Beitrag festgelegt, das Programm entwickelt, auf dessen Basis der Verein in Zukunft arbeiten sollte. Es wurde beschlossen, ein Verzeichnis der Lokalfauna anzulegen und es wurde ein Mitglied mit der Leitung dieser Arbeit beauftragt; aber dabei blieb es vorerst. Erst 1938 hat man damit ernsthaft begonnen. An den folgenden Sitzungen nahmen 8 – 12 Personen teil. Ansonsten kein Protokoll.

Das Jahr 1920 begann wieder mit einer Generalversammlung, die nicht besonders erbrachte. Man beschloss, um der schwachen Vereinskasse etwas auf die Beine zu helfen, dass Mitglieder, die aus ihrer Sammlung etwas entbehren  könnten, diese Stücke dem Verein zur Verlosung zur Verfügung stellen sollte. Der Erlös hieraus sollte in die Vereinskasse fließen.

In Mannheim  bestand damals neben dem Verein, von dem wir hier sprechen, dem „Entomologischen Verein Mannheim“ noch ein weiterer entomologischer Verein, die „Mannheimer entomologische Gesellschaft“. 1920 kam es zum Zusammenschluss dieser beiden Vereine zur „Entomologischen Vereinigung Mannheim“. Man hielt die Fusion für erforderlich.

Zweck des neuen Vereins war in erster Linie die Erforschung der Insektenfauna von Mannheim und Umgebung, u. a. wurde beschlossen, alljährlich in Mannheim eine Ausstellung mit Kauf- und Tauschbörse zu veranstalten. Hierzu ist es vorerst jedoch nicht gekommen; es gab zu viele Mitglieder, die überhaupt gegen die Veranstaltung einer Ausstellung waren. Außerdem legten schon 4 Monate nach dem Zusammenschluss die beiden Vorsitzenden ihre Ämter wieder nieder (20.7.1920).  Nach dem Protokoll entstand nach den überraschenden Rücktritten eine „unerquickliche“ Debatte u. a. auch wegen der unparlamentarischen Führung der Versammlung durch den Vorsitzenden.

Die Sitzungen unmittelbar nach dem Zusammenschluss waren stets von mehr als 20 Mitgliedern besucht; der Besuch ging aber noch im Laufe des gleichen Jahres immer mehr zurück. Es wurden laufend entomol. Vorträge gehalten, zahlreiche Bücher wurden angeschafft oder von Mitgliedern dem Verein geschenkt.

Am 12.10.1920 wurde Max Trippel als neues Mitglied begrüßt. Über die Jahre 1921 u. 1922 ist nichts besonders zu berichten; die Sitzungen verliefen offensichtlich harmonisch. In den Protokollen heißt es…“sehr gemütlich mit entomol. und sonstiger Unterhaltung, Erzählungen vom Kriege usw.“.  Die Zahl der Anwesenden schwankte zwischen 6 – 15 Mitglieder.

Protokoll v. 7.1.1922: Sammlungsschrank angeschafft…Vereinssammlung?

In einer Sitzung im Jahr 1921 kam es mit dem Wirt des damaligen Vereinslokals zu einer scharfen Auseinandersetzung, weil diesem der Konsum an Getränken usw. zu gering erschien und er deshalb eine „unverschämte“ Vergütung für die Benutzung des Lokals verlangte. Man zog in ein anderes Lokal um.

Protokoll v. 1.1.1923: „…abgelaufenes Jahr schlecht…“

Protokoll v. 22.2.1923:  … Klage über schlechten Besuch..

 
Der nächste Bericht entstand erst wieder im April 1935 (10 Anwesende). In einem der ersten Berichte dieses Jahres heißt es, die monatlichen Beiträge seien neu festgesetzt worden (-.30 RM für Arbeitende u. 0,10 RM für Arbeitslose) und ferner seien einige freiwillige Spenden als Grundlage für den wieder entstandenen Vereins gestiftet worden. Daraus ist zu schließen, dass ein Vereinsleben in den vergangenen 12 Jahren nicht stattgefunden hatte.

Die Besucherzahl der Sitzungen betrug damals 8-12 Personen (oft waren auch die Ehefrauen dabei).

Das besondere Ereignis dieses Jahres 1935 war eine Ausstellung mit Tausch- und Kaufbörse im Kolosseum in Mannheim (Dez. 1935), zu der auch auswärtige Gäste eingeladen wurden. Max Trippel stellte Brotbretter zur Herstellung von Tischen zur Verfügung. Diese Bretter wurden auf Bierfässer gelegt. Der Erfolg war groß; die Ausstellung war sehr gut besucht, auch Vertreter der Presse waren anwesend, die gute Artikel hierüber brachten. Es wurde ein Überschuss von 50.- RM erzielt, von dem der Verein Falter kaufte und an die Mitglieder verteilte. (Prot. v. 15.12.1935, Schlusssatz)

In den Jahren 1936 und 1937 lief das Vereinsleben offenbar auf Sparflamme, namentlich deshalb, weil der Besuch der Zusammenkünfte sehr zu wünschen übrig ließ (Prot. v. 8.10.1936). Prot. Ende August 1937 … nur 3 Anwesende. Prot. v. 14.10.1937 … wieder guter Besuch.

Das 25-jährige Vereinsjubiläum wurde aber doch von einer größeren Anzahl der Mitglieder mit einem gemeinsamen Abendessen und nachfolgenden humoristischen Darbietungen und Vorlesungen gefeiert. Die Feier nahm einen schönen und harmonischen Verlauf.

In allen Jahren bis 1943 wurden Kauf- und Tauschbörsen abgehalten, zu denen auch auswärtige Gäste erschienen (manchmal mehr Auswärtige als Mitglieder), insbesondere Besucher aus Frankfurt (z.B. die Herren Lederer, Steeg, Prack und Riedinger).

Am 24.11.1938 wurde endlich die schon 1919 beschlossene Bearbeitung der Lokalfauna in Angriff genommen. Dies wirkte offenbar wieder sehr belebend auf das Vereinsleben (Prot. v. 24.11.1938). Die Mitglieder brachten die zur Debatte stehenden Falterarten zu den Sitzungen mit.

08.03.1939:             edusa, aethiops                                22.3.1939:            hermione, dryas

19.01.1941:            Arg. daphne (Blum)                           30.11.1941:         Th. spini (Lienig)

18.01.1942:            alciphron (häufig)                             

Man kam bis zu den Lycaeniden.

Am 5. und 6.9.1943 wurde Mannheim bombardiert, - vorerst  Ende der Sitzungen.

 

Ab Februar 1947 trafen sich wieder einige Entomologen auf Einladung von Hermann Lienig zu monatlichen Zusammenkünften in seiner Weinheimer Wohnung oder im Sommer zu Sammelausflügen. Erst von Ende 1948 ab fanden die Sitzungen in einem Lokal (Weinstube „Zur Pfalz“ auf dem Marktplatz in Weinheim) statt.

 

Weinstube „Zur Pfalz“ am Marktplatz in Weinheim/Bergstr., das 1. Versammlungslokal des Rheinisch-Odenwälder Vereins für Insektenkunde

Man beschloss zwar das Vereinsleben der „Entomologischen Vereinigung Mannheim“ weiter zu führen, jedoch unter einem anderen Namen: „Rheinisch-Odenwälder Verein für Insektenkunde“. Die Teilnehmerzahl betrug in den ersten beiden Jahren zwischen 8 und 12  Personen. Den Vorsitz übernahm Max Trippel aus Mannheim.

Protokoll v. 12.10.1947: Colias phicomone (?) bei Bensheim gefangen.

Protokoll v. 6.6.1948: In Oftersheim Zygaena cynarae nicht mehr vorhanden.

Protokoll v. 5.12.1948: Neue Mitgliedskarte von dem Mitglied und Kunstmaler Franz Peking entworfen.

Von Franz Peking handgemalter Mitgliedsausweis aus dem Jahre 1948

 

Die Jahre bis 1952 verliefen ohne Besonderheiten. Der Mitgliederstand betrug zum 1.1.1951: 36

Protokoll v. 4.4.1954: Sat. briseis bei Lampertheim.

Protokoll v. 2.12.1951: Hesp. amoricana bei Hüttenfeld von Lienig und bei Heppenheim von Pater Siegbert Wagner gefunden.

Protokoll v. 6.1.1952: Nach einem Vortrag von Pater Siegbert Wagner über eine Tirol-Reise wurde eine Sammlung durchgeführt und mit dem Geld Lotto gespielt (Anmerkung des Verfassers: Über einen Gewinn wurde nicht berichtet).

Protokoll v. 8.6.1952: Lar. molluginata bei Nächstenbach.

Protokoll v. 1.2.1953: Franz Peking findet bei Bensheim einen Flügel von A. hebe.

Herausragendes Ereignis des Jahres 1953 war die Veranstaltung des 1. Südwestdeutschen Entomologentags in Weinheim an der Bergstraße.. Derartige Veranstaltungen wurden auch noch in den Jahren 1954, 1955 in Kassel anlässlich der dortigen Bundesgartenschau und dann  in den Jahren 1956, 1957, 1961 und letztmals 1966 veranstaltet.

Ende des Manuskripts von Alois Streck.

Zeittafel:

1912               07. September: Gründung des Entomologischen Vereins Mannheim

1913                26. Oktober: Erste Insekten-Ausstellung, verbunden mit Kauf- und Tauschbörse, in den „Kaiser-Sälen“ in Mannheim, Seckenheimer Str. 11a.

1914                Ausbruch des 1. Weltkrieges

1918                Ende des 1. Weltkriegs

1919                Beschluss zur Erstellung einer Lokalfauna

1920                Zusammenschluss des „Entomologischen Vereins Mannheim“ und der  „Mannheimer Entomologische Gesellschaft“ zur „Entomologischen Vereinigung Mannheim“.

  Am 12.10.1920 wird Max Trippel Mitglied dieser Vereinigung.

1921 – 1923   Geringe Aktivitäten des Vereins

1935                Nach einer langen Pause wird der Verein wieder aktiv und führt eine weitere Ausstellung im Kolosseum durch.

 1937               25-jähriges Vereinsjubiläum       

1938                Erneuter Anlauf zur Erstellung einer Lokalfauna

1939                Beginn des 2. Weltkriegs

1943                Bombardierung Mannheims, das Vereinsleben erlischt.           

1945                Ende des 2. Weltkrieges

1946                Am 27. Oktober treffen sich auf der Frankfurter Insektentauschbörse die Herren Tuppeck, Andreae und Lienig und diskutieren die Möglichkeiten zur Neugründung des Vereins.

 

1947                Mehrere Zusammenkünfte der Herren Tuppeck, Auerbach, Andreae, Gebrüder Peking, Jost, Ellinger, Trippel, Prof. Krässig, Böhm, Hugstetten, Essig, Dr. Andres, Dr. Ritzert, Böhn, Schäffer, Schneider, Kranzler und Lienig in der Wohnung Lienig. Hauptthema: Neugründung. Prof. Krässig verhandelt mit den Behörden bez. der Neugründung.

                        Erster Sammelausflug in den Viernheimer Wald. Lienig schlägt vor, alle Fänge und Beobachtungen schriftlich festzuhalten.

1948                Weitere Zusammenkünfte in der Wohnung Lienig. Es erfolgt die Namensänderung des Vereins in Rheinisch-Odenwälder Verein für Insektenkunde. Künftige Versammlungen finden im Lokal „Zur Pfalz“ am Marktplatz in Weinheim statt.

1952                1. Zusammenkunft der Entomologen des Rhein-Main-Gebietes in Bensheim a. d. B. (LIENIG: Entomologische Zeitschr. , 1. Juni 1952)

1953                1. Südwestdeutscher Entomologentag in Weinheim

1954                2. Südwestdeutscher Entomologentag in Weinheim

1955                3. Südwestdeutscher Entomologentag in Kassel anlässlich der  Bundesgartenschau

1956                4. Südwestdeutscher Entomologentag in Weinheim     

1957                5. Südwestdeutscher Entomologentag in Weinheim

1958                Versammlungslokal „Zum Bahnhof“

1959                Heinz Czipka wird zum neuen Vorstand und Hermann Lienig zum Ehrenvorsitzenden gewählt.

1961               6. Südwestdeutscher Entomologentag in Weinheim

1964                7. Südwestdeutscher Entomologentag in Weinheim

1966                8. Südwestdeutscher Entomologentag in Weinheim

1980                Philipp Michael Kristal veröffentlicht „Die Großschmetterlinge aus dem südhessischen Ried und dem vorderen Odenwald“          

 

1990                Ernst Blum wird zum Vorstand gewählt.           


 

Die Südwestdeutschen Entomologen-Tagungen:

Am 2. März 1952 trafen sich 26 Mitglieder des Entomologischen Vereins „APOLLO“, Frankfurt a. M. und des Rheinisch-Odenwälder Vereins für Insektenkunde (Rh.-O.V.f.I.) in Bensheim a. d. B., um eine Arbeitsgemeinschaft zu gründen. „Ziel soll sein, durch Vorträge, Erfahrungsaustausch und gemeinschaftliche Sammelexkursionen den Mitglieder der beiden Vereine, insbesondere den jüngeren, Gelegenheit zu geben, ihr Wissen zu erweitern und zu vertiefen, Anregungen zu erhalten, sowie auch neue Anhänger der Entomologie zuzuführen.“ Die Leitung der Zusammenkunft hatte der Vorsitzende des Rh.-O.V.f.I., Max Trippel. Hierbei wurde der Plan ins Auge gefasst, alljährlich einen Entomologentag mit Vorträgen und Ausstellungen abzuhalten (LIENIG, 1952). 

1. Südwestdeutsche Entomologentagung:
Der 1952 gefasste Beschluss wurde konsequent in die Tat umgesetzt. Am 18. – 20. April 1953 wurde die 1. Südwestdeutsche Entomologentagung in Weinheim a. d. B. durchgeführt. Tagungslokal war die Weinstube „Zur Pfalz“ am Marktplatz in Weinheim.

Programm:

Zusätzlich  referierte Herr Dr. Müller („Schuppenmüller“) aus Frankfurt a. M. über interessante Untersuchungen an Parnassiusschuppen, die von ihm zur Artunterscheidung herangezogen wurden.

Die Tagung war ein voller Erfolg. Bereits am Samstag, den 18. April 1953, hatten sich 23 Entomologen in die Teilnehmerliste eingetragen. Am darauf folgenden Sonntag waren es 28 Besucher.  Neben den anwesenden Vereinsmitgliedern waren folgende Gäste zu erwähnen: Prof. Gustav de Lattin (Siebeldingen), Alois Gremminger (Karlsruhe), Eduard Schütze (Kassel), Pater Siegbert Wagner (Bensheim), Karl Stamm (Düsseldorf) und Hans Jöst (Annweiler).

 2. Südwestdeutsche Entomologentagung:

Danach wurde auch die zweite Tagung vom 19. bis 21. Juni 1954 unter der Federführung des Rh.-O.V.f.I. und des Entomologischen Vereins „Apollo“, Frankfurt a.M. durchgeführt. Auch diese Veranstaltung war wieder sehr gut besucht. Wie im Jahr zuvor hatten sich auch hier 28 Tagungsteilnehmer in die Anwesenheitsliste eingetragen.

Programm:

Teilnehmer der 2. Südwestdeutschen Entomologentagung in Weinheim/Bergstr., 1954 (v. links nach rechts):
?, Dr. Ritzert (Darmstadt), ?, Lienig (Weinheim), Trippel (Mannheim), Schütze (Kassel), Ziegler (Mannheim), Hergenhahn (Frankfurt a. M.),  Prof. de Lattin (Siebeldingen, Pfalz), Dr. Andres (Darmstadt), Schneider (Mannheim), ?, Dr. Lederer (Frankfurt a. M.), ?, Dr. Müller (Frankfurt), Gremminger (Karlsruhe), ?,K. Blum (Beindersheim, Pfalz), Streck (Bensheim), Jöst (Annweiler, Pfalz), ?, Bojunge (Frankfurt a. M.).

(Die mit   ?    bezeichneten Personen sind den Autoren nicht bekannt.)

 

 3. Südwestdeutsche Entomologentagung:

Diese fand anlässlich der Bundesgartenschau, am 29.-31. Mai 1955 (Pfingsten) im Städtischen Naturkunde-Museum in Kassel statt. Dazu hatten eingeladen:

Internationaler Entomologischer Verein e.V. Frankfurt a. M.

Rheinisch-Odenwälder Verein für Insektenkunde, Mannheim

Entomologischer Verein „APOLLO“, Frankfurt a. M.

Entomologische Arbeitsgemeinschaft (im Verein f. Naturkunde e.V.) Kassel.

Unter den 40 Teilnehmern waren die Herren Jäckh (Bremen), Dr. F. Heydemann (Plön),

Dr. G. Lederer (Frankfurt a. M.), Dr. A. Bergmann (Arnstadt), A. Gremminger (Karlsruhe), G.

Till (Frankfurt a. M.) und Prof. Dr. G. de Lattin (Siebeldingen). Vom Rh.-O.V.f.I. waren die Herren Dr. K. Andres, Dr. Ritzert, H. Lienig, A. Streck und Knecht anwesend.

3. Südwestdeutscher Entomologentag in Kassel (1955): v. l. n. r. : unbekannt, Dr. Andres (Darmstadt), Prof. Dr. de Lattin (Geilweilerhof, Pfalz), Dr. Lederer (Frankfurt), Lienig,  (Weinheim) . Foto: A. Streck

4. Südwestdeutscher Entomologentag:

Diese Veranstaltung am 19. bis 22. Mai fand wieder in Weinheim in der Weinstube „Zur Pfalz“ statt und wurde, wie in den Jahren zuvor, von Hermann Lienig organisiert.

Programm:

 


5. Südwestdeutscher Entomologentag:

Fast zum gleichen Datum wie 1956 wurde der Entomologentag 1957 in Weinheim abgehalten.
Programm:

Hier wurden drei bemerkenswerte Vorträge gehalten, die bei allen Teilnehmern lang in Erinnerung geblieben sind:

Herr Dr. Amsel berichtete über eine Sammelreise nach Afghanistan, die er im Jahr zuvor unternommen hatte. Die gezeigten Lichtbilder von grandiosen Gebirgslandschaften, von Städten, den dort lebenden Menschen sowie die Fauna und Flora haben die Anwesenden gefesselt und ins Staunen versetzt, war doch schon allein die Autofahrt dorthin über 10.000 km lang. Ein für diese Zeit waghalsiges Unternehmen.

Ebenso interessant war der Vortrag von Herrn Dr. Magnus über Untersuchungen zur Biologie und Verhalten des Kaisermantels. Er verteilte bei den Tagungsteilnehmern Zuchtmaterial von dem Arg. paphia. So erhielt auch Herr Streck Raupen. Aus dieser Zucht schlüpfte ein Gynander. 

Herr Lienig  bot den Tagungsteilnehmern ebenfalls einen Lichtbildervortrag und zeigte eindruckvolle Bilder von den kleinsten Kleinschmetterlingen aus den Gruppen Lithocolletis und Nepticula.

Unter den 34 Tagungsbesuchern waren u. a. die Herren Dr. Lederer, Till, Künnert, Jöst, Strobel und Gremminger.

 

6. Südwestdeutscher Entomologentag:

Wie in den Jahren zuvor traf man sich wieder in Weinheim,  diesmal vom 29. April bis zum 1. Mai 1961. Der Tagungsraum befand sich diesmal im Lokal „Zur Bergstraße“.

Das Hauptreferat hielt Herr Prof. Dr. G. de Lattin, Direktor des Zoologischen Instituts der Universität des Saarlandes, zum Thema: „Variabilität und Vererbung bei Schmetterlingen“.

In die Anwesenheitsliste hatten sich 56 Tagungsteilnehmer eingetragen. Darunter waren: Dr. Amsel (Karlsruhe), Prof. Dr. de Lattin (Saarbrücken), Jöst (Annweiler), Junge (Dossenheim), Krässig (Mannheim), Laube (Speyer), Dr. Roesler (Neustadt/Wstr.),  Dr. Sigbert Wagner (Bocholt),

 

7. Südwestdeutscher Entomologentag

Vom 1. Mai bis 03. Mai 1964 trafen sich die südwestdeutschen Entomologen abermals in Weinheim, diesmal im Lokal „Zum Weschnitztal“ in der Birkenauer Straße.

41 Tagungsteilnehmer nahmen an den Vorträgen teil. Herr Wunderlich aus Frankfurt referierte über seltene deutsche Noctuidae. Der Vortrag von Herrn Prof. Dr. G. de Lattin hatte das Thema: „Die postglaciale Entwicklung der mitteleuropäischen Lepidopterenfauna“. Ein Referat, das bei den Zuhörern besondere Beachtung fand und ihnen die zoogeographischen Zusammenhänge und deren zeitliche Entwicklung seit der letzten Eiszeit anschaulich und verständlich näher brachte.                                                                                                                 Am letzten Tag der Tagung stand eine Exkursion in den Steiner Wald bei Biblis auf dem Programm.

8. Südwestdeutscher Entomologentag

Die 8. und letzte Veranstaltung dieser Reihe fand am 24. und 25. September 1966 im Hotel „Pfälzer Hof“ in Weinheim statt. In der Anwesenheitsliste sind 36 Tagungs-Teilnehmer aufgeführt. Es referierten: Dr. R. Roesler  „Über Herkunft, Verbreitung und Häufigkeit einheimischer Insekten“. Herr Wilde aus Roßdorf bei Darmstadt sprach über  „Präparation von frischen Faltern und Tütenmaterial“ und der Vereinsvorsitzende Herr Heinz Czipka hatte das Thema „Als Entomologe in Zentral-Anatolien (1961 und 1966), eine vergleichende Betrachtung zweier Exkursionen“.

Danach fanden keine Südwestdeutschen Entomologentage mehr statt.

 Vorstände:

 
Max Trippel:             

Max Trippel, von Beruf Bäckermeister, trat am 12.10.1920 in die Entomologische Vereinigung Mannheim ein und war einer der Neugründer des Rhein.-Odenw. Vereins f. Insektenkunde nach dem Kriege, dessen Vorsitz er von 1948 bis Sept. 1958 innehatte.

 

 

Max Trippel (1. von links) zusammen mit den Herren Knecht, Dr. Andres, Gerosa, Hanauer und Oberth beim Sammelausflug am 04.09.1955 im Gorxheimer Tal. Foto: A. Streck.

 

 

Hermann Lienig wurde am 09. 03 1888 in Ilbenstadt (Kreis Friedberg) geboren und betrieb in Weinheim eine Gärtnerei. Er war von Oktober 1958 bis November 1959 Vorsitzender des Vereins. Danach wurde er zum Ehrenvorsitzenden gewählt. Für die lepidopterologische Erforschung seiner Heimat hat er Vorbildliches geleistet. Besonders zu erwähnen ist der Nachweis von 1400 Kleinschmetterlingsarten im hessisch-badischen Raum. Seine Sammlung und Tagebücher befinden sich heute im Staatlichen Museum für Naturkunde in Karlsruhe. Hermann Lienig verstarb am 23. Dezember 1970 im Alter von 82 Jahren in Weinheim.

 

 

Heinz Czipka kam 1958 zum Verein und wurde im Dezember 1959 zum Vorsitzenden gewählt. Diesen Vorsitz hatte er über 30Jahre, bis Dezember 1989 inne. In dieser Zeit hat er sich um den Verein große Verdienste erworben. Die Leitung und die Durchführung der Südwestdeutschen Entomologentagungen waren bei ihm in den besten Händen. Als Lehrer hatte er auch Geschick, die Jugend an die Entomologie heranzuführen. Seine Hauptinteressen auf entomologischem Gebiet galten den Sphingidae (Hybriden), den Arctiiden und den Käfern.  Über seine Sammelreisen in die Türkei, nach Persien, Marokko und auch in viele europäische Länder berichtete er den Vereinsmitgliedern oder bei Entomologentagungen in unterhaltsamer Weise.

 

 

 

Heinz Czipka (rechts), Frau Czipka (links) zusammen mit Prof., Dr. de Lattin bei der Exkursion nach Seeheim/Bergstr. anlässlich des 6. Südwestdeutschen Entomologentags in Weinheim/Bergstr. 1961

 

 

6. Südwestdeutscher Entomologentag in Weinheim/Bergstr. 1961 (v. links n. rechts): Heinz Czipka, Frau Czipka, Herr Knecht, Herr Wunderlich (Frankfurt a.M), Prof., Dr. de Lattin (Saarbrücken),  Frau Wunderlich, ?, ?, Dr. Andres, ?, Hanauer,  Dr. Amsel (Karlsruhe), Dr. Riegelbauer, Ziegler,  Lienig, Till (Frankfurt a. M.), Pater Siegbert  Wagner

 

  

Ernst Blum kam 1955 als 16-jähriger zum Verein. Ein Jahr zuvor war sein Großvater gestorben, der schon vor dem Krieg Mitglied des Vereins war. Ernst Blum übernahm seine Sammlung. Hier im Verein fand er den Kontakt zu Gleichgesinnten, zuerst zu den Mitgliedern aus Hessen und Baden, aber auch zu den Kollegen aus der Pfalz (Bastian, Beierlein, Bettag, Dr. Roesler). Für seine ursprüngliche Lokalsammlung der Pfalz musste er die Grenzen bald erweitern. Sammelreisen in viele europäische und außereuropäische Länder – von Lappland bis nach Marokko und von Spanien bis in die Türkei, machten dies erforderlich. Ab 1989 bis heute sind die Glasflügler sein Hauptinteresse, ohne dabei andere Familien zu vernachlässigen. Die Spezial-Sammlung Glasflügler enthält zurzeit 2500 Belege von 154 paläarctischen Arten. Er organisierte Sesidologentagungen  im Naturkundemuseum Bad Dürkheim, die von Kollegen aus vielen europäischen Ländern besucht wurden.   Im Jan. 1990 wurde er zum Vorstand gewählt.

 

Mitglieder:

Alois Streck stammt aus dem Sudentenland und trat 1953 in den Rhein.-Odenw. Verein für Insektenkunde ein und war 51 Jahre lang Schriftführer des Vereins. Seine umfangreiche Lokalsammlung enthält 849 Arten Großschmetterlinge  aus Südhessen, die er in mehr als fünf Jahrzehnten zusammengetragen hat. Schon 1968 fand Streck den Mistelglasflügler; Synanthedon loranthi bei Lampertheim. Die Art war erst zweiJahre zuvor durch Kralicek neu beschrieben worden. Diese Funde waren die Erstnachweise dieser Art in Deutschland, blieben aber bis 1990 unerkannt. Bei Exkursionen und beim Lichtfang waren Karl Bastian oder Philipp Michael Kristal oft seine Begleiter.  Zahllose Zuchten wurden von ihm durchgeführt. Seine Sammlung mit ca. 30.000 Belegen ist inzwischen an das Forschungsinstitut und Naturmuseum Senckenberg in Frankfurt am Main als Schenkung übergegangen.

 

Von links n. rechts: Alois Streck, Hermann Lienig und Julius Till (Frankfurt a. M.) bei einer Exkursion anlässlich der 4. Südwestdeutschen Entomologentagung in Weinheim/Bergstr. 1956. Foto: Sr. Andres

 

 

Karl Bastian  ist mit 82 Jahren das älteste Mitglied des Vereins. Er trat bereits 1950 in den Verein ein und hat in mehr als fünfzig Jahren eine umfangreiche Sammlung Makro- und Mikro-Lepidoptera aus der Pfalz, aber auch aus Hessen zusammengetragen. Er und Alois Streck haben über Jahrzehnte gemeinsame Exkursionen in Hessen durchgeführt. Auch bei ihm stand die Zucht von Groß- und Kleinschmetterlingen im Vordergrund.

 

Fritz Ziegler: In den vorliegenden Mitglieder-Verzeichnissen und Anwesenheitslisten wird er schon 1950 aufgeführt. Er war bis 1967 Kassierer. Diesen Posten gab er danach an Ernst Blum ab. 1974 besuchte er aus Gesundheits- und Altersgründen letztmals die Versammlungen.

 

 

Von links nach rechts: Fritz Ziegler, Max Trippel, Hans Schneider und Dr. Walter Ritzert bei der 4. Südwestdeutschen Entomologentagung in Weinheim/Bergstr.

 

 

Philipp Michael Kristal (05.01.1945 bis 18.05.1997) war ab 4.2.1973 Mitglied des Vereins.  Er schrieb in seinem kurzen Leben ca. 40 Aufsätze in lepidopterologischen Fachzeitschriften, war Mitarbeiter bei der Erstellung der Roten Liste hessischer Tagfalter und veröffentlichte 1980  „Die Großschmetterlinge aus dem südhessischen Ried und dem vorderen Odenwald“., Damit fand die jahrelange Erfassung der heimischen Schmetterlings-Fauna einen vorläufigen Abschluss.

  

Aufgrund seines Engagements in Sachen Naturschutz war er Mitglied im Kreisvorstand des NABU und ebenso im Kreisvorstand bei der Unteren Naturschutzbehörde des Kreises Bergstraße in Heppenheim. 1986 wurde er mit dem Umweltschutzpreis der Stadt Bürstadt ausgezeichnet. Sein Engagement für den Naturschutz war beispielhaft. Nach der Entdeckung des einzigen Vorkommens von Melitaea aurelia  an der Bergstraße  pachtete er das Gelände auf dem aurelia flog und stellte durch Pflegemaßnahmen den Fortbestand des Falters sicher. Der Höhepunkt seines entomologischen Schaffens war die Entdeckung des Wurzelbohrers Pharmacis  claudiae im Aosta-Tal. Zusammen mit den Herren Hirneisen und Steiner beschrieb er die Art 1994. Er war immer bereit, seine Beobachtungen und Erfahrungen in unserem Verein und auch anderswo weiterzugeben. Michael Kristal verstarb am 18.05.1997.

 

Dr. Fritz Montfort  kam 1964 zu dem Verein. Der in Heidelberg wohnende Chemiker  beschäftigte sich nicht als Feldentomologe, sondern mit der entomologischen Literatur. Im Laufe von Jahrzehnten hatte er eine sehr umfangreiche Bibliothek zusammengetragen, in der die alten Werke von Maria Sibylla Merian und Roesel van Rosenhof besonderen Stellenwert hatten. Neben diesem Fachgebiet besaß er auch eine Sammlung französischer Literatur über Napoleon.


Vor seinem Tode übergab er seine Bibliothek der Landesbibliothek Baden-Württemberg in Stuttgart. Wegen des gewaltigen Umfanges der Bibliothek nahm der Abtransport geraume Zeit in Anspruch, so dass sich der Hausbesitzer veranlasst sah, einen Statiker zu beauftragen, das Haus – die Wohnung Montfort lag im 1. Obergeschoß - auf event. Schäden zu untersuchen.

 
Günter Junge (geb. am 28.07.1913) kam 1961 zum Rhein.-Odenw. Verein f. Insektenkunde. Er war Oberst bei der Luftwaffe und nach seiner Pensionierung freischaffender Architekt. Er beschäftigte sich ausschließlich mit Tagfaltern und Zygaenidae. Dabei hatte er sich einen großen Rahmen gesteckt. Er sammelte nicht nur in Deutschland, sondern  - meist zusammen mit den Herren Prof. Rose und Hesselbart – auch in Griechenland, der Türkei und im Iran. Besonderes Aufsehen erregte im Jahr 1976 die Entdeckung der Zygaena carniolica ssp. kappadokiae.  Diese nur in Kappadokien vorkommende carniolica-Subspezies ist vorwiegend weiß und rot gefärbt und das bei anderen Subspezies überwiegende Schwarz ist hier fast verschwunden. Günter Junge starb im Alter von 90 Jahren am 02. Oktober 2003 in Schriesheim-Altenbach. Seine umfangreiche Sammlung mit 23.000 Macrolepidoptera, in der sich 6 Holotypus-, 4 Allotypus- und 540 Paratypus-Exemplare befinden, übergab er 1982 dem Staatlichen Museum für Naturkunde in Karlsruhe.

 

Pater Siegbert Wagner war von 1950 bis 1953 Mitglied des Vereins. Der inzwischen Verstorbene hat als Spezialist der Gattung Melanargia einen wesentlichen Beitrag für Entomologie geleistet.

 

Der Arzt Dr. Karl Andres nahm erstmals im Dezember 1947 an dem regelmäßigen Treffen der Entomologen in Weinheim teil. Seine Sammlung wurde im Krieg zerstört. Zwischen ihm und Lienig bestand eine gute Freundschaft. Dabei hatte es beiden die Gattung Eupithecia besonders angetan. 1968 veröffentlichte Andres in der Entomologischen Zeitschrift: einen Artikel der in Fachkreisen Beachtung fand und vielen Kollegen den Einstieg in diese schwierige Gruppe erleichterte. „Die Eupithecien der Bergstraße und des vorderen Odenwaldes“.Bei den Mitgliedern unseres Vereins fand sein Vortrag mit dem Titel. „Geklopftes und Gekratztes“ besondere Beachtung. Darin berichtete er am 06.03.1955 über die Techniken der Raupensuche.

 

 
Dr. Karl Andres bei einer Exkursion im Gorxheimer Tal am 04.09.1955 Foto: A. Streck

 

Alois Gremminger (1886 – 1959) war zwischen 1950 und 1957 Mitglied des Vereins und auch Teilnehmer an den Südwestdeutschen Entomologentagungen. Seine entomologischen Bebachtungen im badischen Raum hat er akribisch auf Karteikarten festgehalten. Diese wertvolle Notizen flossen in das Grundlagenwerk „Die Schmetterlinge Baden-Württembergs“ ein (EBERT  1991 – 2005).

 

 

Dr. Karl Andres (l.) und Alois Gremminger (r.) auf der Insektenbörse in Frankfurt a. M. 1953

 

Franz Peking kam schon 1947 zum Verein und war somit einer der Motoren bei der Wiederbelebung des Vereinsgeschehens nach dem 2. Weltkrieg. Das „Darmstädter Echo“ vom 11. September 1976 berichtete in einem Artikel „Der Schlauberger im Malerhäuschen“ über das Leben dieses „Originals“.  Er stammte aus dem Erzgebirge und lernte dort seine Frau kennen, die aus dem Odenwald zu Besuch angereist  war. 1933 ist er dann in den Odenwald übergesiedelt. In Lindenfels bewohnte er ein kleines Häuschen, ursprünglich eine heruntergekommene Unterkunft für Steinbrucharbeiter. Diese  baute er zu einem schmucken Domizil aus. Als Berufsbezeichnung gab er stets „Maler-Entomologe“  an. Stellte er sich einem Fremden vor, dann so: „Franz Peking, wie die Hauptstadt von China“ (Insiderinfo: Fritz Ziegler nannte ihn den „Pekinesen“). Zu den Versammlungen erschien er in unregelmäßigen Abständen bis 1972. Den älteren Vereinsmitgliedern werden die Lichtfangnächte am Pekingschen Hexenhäuschen unvergessen bleiben.

  

 1976:  Franz Peking vor seinem „Hexenhäuschen“ in Lindenfels (Odenwald)

 

Prof. Dr. Ferdinand Schmidt kam 1969 erstmals zum Verein und besuchte die Versammlungen bis 1997. Prof. Schmidt war Mediziner am Krebsforschungsinstitut Mannheim / Heidelberg und ist durch seine Nichtraucherkampagnen bundesweit bekannt geworden. Er veröffentlichte eine umfangreiche Monographie, in der er eine kybernetische Evolutionstheorie vorstellte, die in Fachkreisen Aufsehen erregte. In der Entomologie interessierten ihn die Noctuidae und Eupithecien. Durch sein berufliches Engagement war es ihm jedoch nicht möglich sich mit diesen beiden Gruppen intensiver zu beschäftigen. Er verstarb am 26. Januar 2006 in Weinheim im Alter von 82 Jahren.

 

Dr. Rudolf Roesler, 1908 geboren war Berufsentomologe  an der Obst- und Weinbauschule in Neustadt/Wstr. und kam ab 1965 zum Verein. Er leistete 1962 -  1971 zusammen mit Jöst und Heuser einen wesentlichen Beitrag zur Erforschung der Lepidopteren-Fauna der Pfalz.

 

Dr. Rudolf Roesler 1908 – 1987

 

Seine umfangreiche Sammlung enthält neben den Großschmetterlingen auch eine enorme Anzahl von Kleinschmetterlingen. Dabei sind besonders die kleinsten der Kleinen die Gattungen Nepticula und Lithocolletis, in großen gezüchteten Serien vertreten.  Nach seinem Tod (1987) übernahm sein Sohn  Dr. Ulrich Roesler seine Sammlung.

Versammlungen: Die im Winterhalbjahr monatlich stattfindenden Versammlungen dienen in erster Linie dem Erfahrungsaustausch. Regelmäßig werden Vorträge gehalten. Die Themen sind vielfältig: Reiseberichte, Sammeltechniken, Zuchtberichte und viele andere Themen der Entomologie. Trotz geringer Mitgliederzahl (zurzeit 15)  werden die Versammlungen von meist mehr als der Hälfte der Mitglieder besucht.

Das Versammlungslokal wurde mehrmals gewechselt. Seit 1995 befindet es sich in Weinheim, in der Birkenauer Talstraße 57, im Hause Matt.

Eine statistische Auswertung der Versammlungsbesuche ist als Anhang beigefügt.

 
Sammelausflüge: Seit der Neugründung 1947 wurden im Sommerhalbjahr regelmäßig Sammelausflüge oder auch Lichtfangabende durchgeführt. Einige der Ziele seien hier aufgelistet: Heppenheim (Tongruben), Seeheim (meist im April zur Suche von dominula-Raupen), Viernheimer Heide, Tromm, Oftersheim, Bensheim-Auerbach, Buchklingen, Lindenfels (Lichtfang), Lorscher Wald, Jägersburger Wald und andere Punkte. Aufgrund der geänderten Naturschutzgesetze (Bundesartenschutzverordnung) und den damit verbundenen Auflagen (Sammelgenehmigungen) wurden die Exkursionen vorübergehend eingestellt. Die Umweltschutz-Politik der letzten Jahrzehnte hat die Bevölkerung hinsichtlich des Naturschutzes sensibilisiert und es war deshalb nicht mehr ratsam, in Gruppen mit Netzen durch die  Natur zu gehen, ohne Gefahr zu laufen, dass Polizei- oder Forstbeamte benachrichtigt wurden.

Seit 2003 wurden jedoch wieder zwei Exkursionen oder Leuchtabende ins Vereinsprogramm aufgenommen.   

Sammelausflug 11.09.1955 nach Buchklingen, v. l. n. r. Hanauer, Knecht und Streck .  Foto: Dr. Andres.

Vereinsbibliothek: Der Grundstock zur Bibliothek wurde schon vor dem 2. Weltkrieg gelegt. Der Verein besaß fast die ganze ältere Standard-Literatur der Lepidopterologie, wie Seitz (Paläarktis), Spuler, Berge-Rebel, Lampert oder Eckstein. Außerdem eine Reihe von Zeitschriften, die zum Teil bis ca. 1980 noch abonniert waren. Von Dauerausleihen abgesehen, war der Ausleihverkehr gering. Dies nahm Herr Streck 2001 zum Anlass, einen Antrag einzubringen, die Vereinsbibliothek aufzulösen, d. h. zu verkaufen. Diesem Antrag wurde von den Mitgliedern stattgegeben. Bei verschiedeneren Antiquariaten  wurden Angebote eingeholt und die Bibliothek letztendlich an die Fa. Erich Bauer für 2850.--  DM verkauft.  

Von dem Erlös wurden an das Staatliche Museum für Naturkunde Karlsruhe 900.-- € für das Grundlagenwerk „Die Schmetterlinge Baden-Württembergs“ gespendet. Der Naturschutzbund NABU, Ortsgruppe Weinheim, erhielt 250.-- € zur Förderung von Pflegemaßnahmen.

 

Weiterentwicklung und Zukunft des Vereins: Betrachtet man die Graphik „Statistik: Anzahl der Teilnehmer an den Versammlungen des Rheinisch-Odenwälder Vereins f. Insektenkunde“ im Anhang, so ist die Tendenz eindeutig. Die Besucherzahl an den Zusammenkünften nimmt stetig ab. In den 60er und 70er Jahren hatten sich oft 20 und mehr Mitglieder in die Anwesenheitsliste eingetragen. Dies wird wohl nie mehr erreicht werden.  Es fehlt vor allem an Nachwuchs. Probleme mit dem Nachwuchs beklagen auch andere Vereine und Organisationen, wie Chöre, Musikgruppen, Sportvereine und Theatergruppen. Gründe dafür gibt es genug. Die modernen Medien wie Fernsehen, Internet und Computerspiele verlangen ihren zeitlichen Tribut.  Schaut man ins Internet, ist man gelegentlich überrascht, dass doch viele Jugendliche und auch Erwachsene sich mit dem Thema Insekten befassen, Falter, die sie nicht kennen, fotografieren und die Fotos dann anschließend in einem Forum präsentieren, wie z. B. www.lepiforum.de. In der Vergangenheit hatte unser Mitglied Rolf Bläsius Schüler aus seinen Klassen mitgebracht und an unseren Vorträgen teilnehmen lassen. Wir hoffen, dass sich aus diesen Kontakten zwischen Schülern und  Entomologen ein Anreiz mit Langzeitwirkung ergibt und der eine oder andere Jugendliche doch den Weg zur Entomologie findet.

Unsere Mitglieder sind aufgefordert, Ideen zu entwickeln, Jugendliche und Erwachsene gleichermaßen über unsere Tätigkeiten zu informieren und Interesse zu wecken. Nach einer ersten Einschätzung kann dies nur durch Nutzung der neuen Medien zuwege gebracht werden.  Es solle unser aller Ziel sein, den schon so oft totgesagten Verein am Leben zu erhalten. Das Nah-Ziel ist das Jahr 2012! Am 07. September 2012 wird unser Verein 100 Jahre alt!

 

Dank:

Für Korrekturen  am Manuskript bedanken wir uns bei Rolf Bläsius.

Literatur- und Quellenangaben: 

ANDRES, K. (1953):             Hermann Lienig, Ent. Z. Frankfurt a. M. 63: S. 72

ANDRES, K. (1968):              Die Eupithecien der Bergstraße und des vorderen Odenwaldes
(Lep. Geometridae), Ent. Z., Frankfurt a. M., 78. 153-161.

EBERT, G. (1991-2005):       Die Schmetterlinge Baden-Württembergs Bd. 1 bis 10, Ulmer Verlag

KRISTAL, Ph. M. (1980):       Die Großschmetterlinge aus dem südhessischen Ried und dem vorderen Odenwald. Institut für Naturschutz Darmstadt, Schriftenreihe Beiheft 29, Darmstadt

KRISTAL, Ph. M. (1990):       Synanthedon loranthi Králíček, 1966 auch in Deutschland (Lepidoptera, Sesiidae), Nachr. Ent. Ver. Apollo, N.F.11 (2): S. 61-74

KRISTAL, Ph. M. (1990):       Eine weitere endemische Hepialide aus den Alpen. Pharmacis claudiae n. sp. (Lepidoptera, Hepialidae), Nota lepidopt. 17: 53-72

LIENIG, H. (1952):                 Bericht über die Versammlung der Entomologen des Rhein-Main-Gebietes in Bensheim a. d. B., Entomologische Zeitschrift, 62. Jahrg. Nr. 5, 1. Juni 1952, S. 39-40.

LIENIG, H. (1953):                 Erste Südwestdeutsche Entomologentagung in Weinheim a. d. B. vom 18. bis 20. April 1953. Entomologische Zeitschrift, 63 Jahrgang,

MONTFORT, F. (1971):        Hermann Lienig +, Beitr. Naturk. Forsch. SüdwDtl., Band 30  Heft 2, S. 169 – 170, Karlsruhe 1971 

STRECK, A, (1991):              Vereinsarchiv: Handschriftliches Manuskript über die Geschichte des Rheinisch-Odenwälder Vereins                                                 für Insektenkunde.

STRECK, A.(1953-1966):      Vereinsarchiv: Versammlungsprotokolle, Programme und Anwesenheitslisten der 8 Südwestdeutschen Entomologentage.